Der Mensch vernichtete Australiens Riesen

Australien hatte einst eine Menagerie von großen Tieren zu bieten. (Grafik: Peter Trusler, Monash University)

Monströse Beuteltiere, Reptilien und Vögel: Einst war Australien die Heimat von Giganten – doch dann verschwanden die Vertreter dieser sogenannten Megafauna plötzlich. Ein Forscherteam präsentiert nun neue Indizien dafür, dass der Mensch für ihr Aussterben verantwortlich war und nicht klimatische Veränderungen. Sediment-Bohrkerne belegen: Jahrhunderttausende lang gedieh die Megafauna problemlos – doch dann brachen die Bestände etwa vor 45.000 Jahren schlagartig ein – und zwar genau nachdem der Mensch den südlichen Kontinent erreicht hatte.

Tonnenschwere Wombats, Riesen-Vögel, monströse Warane... Australien hatte einst eine Menagerie von skurrilen Tieren zu bieten. Doch am Ende der Eiszeit verschwanden fast alle diese Tiere mit einem Gewicht von über 100 Kilogramm. Bisher ist unklar, ob klimatische Veränderungen der Hauptgrund dafür waren, oder ob der Mensch der Megafauna Australiens den Garaus gemacht hat. Wegen der schwierigen zeitlichen Eingrenzung schien es möglich, dass die Riesen schon verschwunden waren, bevor sich der Mensch vor etwa 50.000 Jahren in Down Under breit machte. Nun konnten Forscher aus Australien und den USA das Zeitfenster des Aussterbens genauer eingrenzen.

Pilze auf Exkrementen ermöglichen Rückschlüsse

Ihre Ergebnisse basieren auf Untersuchungen von Sedimentbohrkernen, die vom Grund des Indischen Ozean vor der Küste von Südwesten Australiens stammen. In ihnen spiegelt sich die Klimageschichte sowie die Entwicklung der Ökosysteme auf dem australischen Kontinent wider, erklären die Forscher. Die Bohrkerne enthalten chronologische Schichten von Material, das über Jahrtausende hinweg vom Land ins Meer eingetragen wurde. Darunter Pollen, Asche und vor allem die Sporen bestimmter Pilzarten der Gattung Sporormiella. Sie wachsen nachweislich nur auf den Exkrementen großer Tiere. Ihr Vorkommen in den Ablagerungsschichten lässt dadurch Rückschlüsse auf die Entwicklung Fauna des Kontinentes zu.

Es zeichnete sich ab: Pilzsporen vom Dung der Großtiere waren in den Sedimentschichten der Zeitspanne von vor 150.000 Jahren bis vor etwa 45.000 Jahren reichlich vorhanden. "Die Fülle dieser Sporen ist ein guter Indikator für eine Menge von großen Tieren, die damals die südwestlichen australischen Landschaften bevölkerten", sagt Gifford Miller von der University of Colorado in Boulder. "Dann, in einem Zeitfenster von nur wenigen tausend Jahren, brachen die Bestände der Megafauna zusammen." In dieser Zeit gab es aber keine Hinweise auf erhebliche klimatische Veränderungen, berichten die Forscher.

Aufgegessen

Ihnen zufolge spricht dies dafür, dass die Ur-Australier der ausschlaggebende Faktor für den Untergang der Riesen waren. Diese Tiere waren an den "invasiven" Jäger nicht angepasst und wurden zunehmend zu seiner Beute. Modelle zeigen, dass selbst eine moderate Bejagung letztlich zum Aussterben führen konnte, weil die Ausdünnung der Bestände über Jahrhunderte andauerte.

Konkrete Anhaltspunkte gibt es auch bereits: Miller und seine Kollegen hatten Anfang 2016 bereits von Funden verkohlter Eierschalen berichtet. Sie stammten von dem bis zu 290 Kilogramm schweren Laufvogel Genyornis, der einst in Australien weit verbreitet war. Offenbar schmausten die Ur-Australier deren Riesen-Eier und verursachten damit vermutlich das Aussterben dieses Vertreters der Megafauna. Die aktuellen Ergebnisse belegen nun, dass dies wohl keine Ausnahme war – auch die anderen Riesen Australiens fielen offenbar letztlich dem Appetit der Vorfahren der Aborigines zum Opfer.

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