Balzplatz der Dinosaurier

Die riesigen Kratzspuren, die Martin Lockley (rechts) und Ken Cart im heutigen West Colorado gefunden haben, sollen von balzenden Dinosauriern stammen. (Foto: University of Colorado Denver)

Das Bild der Dinosaurier hat sich seit den 1990er-Jahren radikal geändert. Nachdem bei Ausgrabungen in China Abdrücke von Federn aufgetaucht waren, mussten viele Museen ihre Nachbildungen anpassen. Aus den schuppenhäutigen Reptilien wurden vogelähnliche Wesen mit Federkleid.

Das Stuttgarter Naturkundemuseum widmete 2007 dem neuen Bild der Dinos eine große Ausstellung (bild der wissenschaft 4/2007, "Dinosaurier: Gefiederte Siegertypen"), die einen Besucheransturm auslöste. Heute, ein Jahrzehnt später, "herrscht noch immer eine gewaltige Aufbruchstimmung", sagt Saurier-Experte Rainer Schoch vom Stuttgarter Naturkundemuseum. Die Paläontologie, die früher weithin als verstaubtes Fach galt, sorgt für Wirbel in der Wissenschaft: Weltweit sind Forscher auf der Suche nach Dinofedern.

Dass Vögel Nachfahren der Dinosaurier sind, daran zweifelt heute kaum noch ein Wissenschaftler. Der Urvogel Archaeopteryx gilt deshalb nicht nur als Vogel, sondern auch als Dinosaurier. Doch es stellen sich neue Fragen: Welche Dinosaurier-Arten trugen Federn? Wann haben sich die Federn entwickelt? Und wozu dienten sie ursprünglich?

Dabei stehen die Paläontologen vor dem Problem, dass Federn sehr vergängliche Gebilde sind, die nur äußerst selten über Jahrmillionen erhalten bleiben. Doch inzwischen wird jedes Dino-Fossil genauestens unter die Lupe genommen. Mit ­Erfolg: So hat Oliver Rauhut von der Ludwig-Maximilians-Universität München die Versteinerung eines jungen Raubsauriers mit UV-Licht bestrahlt – und dabei feine Fasern gefunden.

Aus Schuppen wurden Federn

Die Federn könnten so manches Rätsel lösen. Lange Zeit suchten die Forscher zum Beispiel nach einer Erklärung für seltsame Striche rund um manche versteinerte Dino-Fußabdrücke. Nun vermuten sie: Die Tiere trugen wohl einen bodenlangen Federkranz an den Füßen, so wie heute manche Hühner. Und der Amerikaner Martin Lockley interpretiert ein großes Feld mit Kratzspuren als Balzplatz riesiger vogelähnlicher Dinosaurier.

Für Aufsehen sorgte ein Fund in Sibirien, der im Sommer 2014 veröffentlicht wurde. Der etwa anderthalb Meter große Dinosaurier trug offenbar sowohl Schuppen als auch drei verschiedene Arten von Federn: einfache borstenartige Gebilde, eine Art Daunen sowie Büschel von langen bandartigen Strukturen. Sie hatten mit den hochkomplexen Federn, mit denen die heutigen Vögel fliegen, nicht viel gemeinsam.

Vor allem aber gehörte Kulindadromeus zabaikalicus nicht – wie T-Rex oder Velociraptor – zu den Theropoden, die als Ahnen der Vögel gelten, sondern zu den Vogelbeckensauriern, die trotz des Namens mit Vögeln nur entfernt verwandt sind. Er lebte vor rund 150 Millionen Jahren. Viele Forscher vermuten deshalb, dass Federn schon sehr früh aus Schuppen entstanden sind und dass letztlich ­alle Dinosaurier zumindest als Jungtiere welche trugen, wahrscheinlich als Kälteschutz.

Inzwischen haben sogar Entwicklungsbiologen nachgewiesen, dass die ­Vögel Nachkommen der Dinosaurier sind – mit skurrilen Experimenten. Sie drehten die Evolution um, indem sie bestimmte "moderne" Gene ausschalteten. Der Brasilianer João Francisco Botelho schuf auf diese Weise ein Huhn mit Dino-Beinen. Und Bhart-Anjan Bhullar von der Yale University machte aus dem Hühnerschnabel eine Dino-Schnauze.

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