Wie die Bisons Nordamerika eroberten

Das ist das nun älteste bekannte Bison-Fossil in Nordamerika. (Foto: Alberto Reyes)

Sie sind Symboltiere des "Wilden Westens": Vor ihrer Fast-Ausrottung trampelten Millionen von Bisons über die Prärien Nordamerikas. Doch wie und wann haben sich die diese charismatischen Kolosse ursprünglich in der Neuen Welt ausgebreitet? Einblick in diese Frage gibt nun die genetische Analyse eines neu entdeckten Bison-Fossils aus dem Permafrostboden Kanadas. Offenbar gab es demnach zwei Besiedlungswellen aus Asien: Die erste vor über 130.000 Jahren und eine zweite etwa hunderttausend Jahre später.

Klar ist: Die sibirischen Vorfahren der heutigen Bisons machten nach ihrer Ankunft in Nordamerika große Karriere. Sie spalteten sich in neue Arten auf und avancierten schließlich in den Prärien der heutigen USA zu einer ausgesprochen dominanten Spezies. Schätzungen zufolge gab es bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts hinein etwa 30 Millionen der bis zu 900 Kilogramm schweren Tiere in Nordamerika. In kurzer Zeit rotteten Siedler die Büffel dann allerdings bis auf winzige Restbestände aus. Später wurde sie vielen Amerikanern dann allerdings wieder sehr wichtig. Zuchtprogramme haben mittlerweile wieder zu einem Bestand von etwa 400.000 freilebenden und privat gehaltenen Bisons geführt.

Das älteste bekannte Bison-Fossil gibt DNA preis

Die Forscher um Duane Froesea von der University of Alberta in Edmonton haben sich nun mit der Urgeschichte der Bisons in Nordamerika befasst, denn wann und wie diese Tiere sich dort ausgebreitet haben, ist bislang unklar. Im Zentrum der Studie steht ein neuer Fund aus dem Permafrostboden im kanadischen Yukon Territorium an der Grenze zu Alaska. Es handelt sich um die Reste eines Steppenbisons (Bos priscus), das als Vorfahre des Amerikanischen Bison und des Europäischen Wisent galt. Die Datierung ergab ein Alter von etwa 130.000 Jahren. Es handelt sich damit um das älteste bekannte Fossil eines Vertreters dieser Tiergruppe in Nordamerika.

Den Forschern gelang es, dem Fossil sogenannte mitochondriale DNA zu entlocken und zu sequenzieren. Analysen und Vergleiche dieser speziellen Form des Erbguts ermöglichen Rückschlüsse über die Abstammung von Tieren über die mütterliche Linie. Im Rahmen ihrer Studie haben die Forscher die mitochondriale DNA des Yukon-Bisons mit der von 44 weiteren fossilen Bisonfunden verglichen. Einige stammten aus Asien und bei einem handelte es sich um die DNA eines ebenfalls extrem alten Fossils aus Amerika: Sie stammte von den 120.000 Jahre alten Überresten eines besonders großen Vertreters der Gruppe der Bisons: Bos latifrons, das bis zu zwei Tonnen Gewicht erreichte.

Eine Ausbreitungsgeschichte zeichnet sich ab

Wie die Forscher berichten, zeichnet sich in den genetischen Vergleichen nun die Geschichte der Bisons deutlich klarer ab als zuvor. Die Bison-Versionen Nordamerikas gehen demnach alle auf gemeinsame Vorfahren zurück, die vor 195.000 bis 135.000 Jahren gelebt haben. Es handelte sich um Steppenbisons, die in diesem Zeitfenster aus Sibirien über die damals trockene Beringstraße gekommen waren, erklären die Forscher. Aus ihnen entwickelten sich dann in Amerika in nur etwa 20.000 Jahren neue Formen, darunter das Bos latifrons, das später wieder verschwand. Bis heute blieben nur noch der Steppenbison (B. bison bison) und der Waldbison (B. bison athabascae) übrig.

In den genetischen Untersuchungen spiegelt sich zudem wider, dass später, etwa vor 45.000 bis 21.0000 Jahren, noch einmal Steppenbisons aus Sibirien nach Nordamerika eingewandert sind und zum Erbe der heutigen Vertreter beigetragen haben. Zum Schluss ihrer Studie konstatieren die Forscher: "Neben der des Menschen handelt es sich bei der Erfolgskarriere der Bisons um eine der bemerkenswertesten Ausbreitungeschichten in  Nordamerika".

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