Ein Dino mit erstaunlich modernen Federn

So könnte Jianianhualong tengi ausgesehen haben. (Grafik: Julius T. Csotonyi 2017 / Xu, Currie, Pittman et al. 2017)

Im Gegensatz zu den heutigen Vögeln besaßen die meisten gefiederten Dinosaurier eher primitive Federn – fliegen konnten sie damit eher nicht. Jetzt jedoch haben Paläontologen in China einen Dinosaurier aus der frühen Kreidezeit entdeckt, der schon erstaunlich moderne Schwanzfedern trug. Wie bei den Vögeln sind sie groß und asymmetrisch – was ihnen bessere aerodynamische Eigenschaften verlieh. Ob der Jianianhualong tengi getaufte Dino tatsächlich schon fliegen oder zumindest gleiten konnte, bleibt allerdings vorerst offen.

Vögel waren keineswegs die Ersten, die ein Gefieder entwickelten. In den letzten Jahren haben unzählige Fossilfunde demonstriert, dass auch viele Dinosaurier schon ein Federkleid trugen. Der wendige Raubsaurier Microraptor besaß nicht nur Federn, er konnte vermutlich sogar schon mit ihnen gleiten. Andere kreidezeitliche Dinosaurier nutzten ihren teilweise durchaus bunten Federschmuck wahrscheinlich eher zur Balz oder um Rivalen zu beeindrucken. Sogar der furchteinflößende Tyrannosaurus rex schmückte sich vermutlich bereits mit einem Gefieder. Allerdings: Nicht alle dieser Federn hatten schon einen modernen, vogelähnlichen Aufbau. Fossilfunde legen nahe, dass das Federkleid früher Dinosaurier eher den Daunen der Vögel glich. Der seltene Fund eines ganzen Jungdinosaurier-Schwanzes in Bernstein belegte erst kürzlich, dass der stabile Federschaft offenbar erst später entstand als die feinen Federhärchen. Wann sich die ersten flugfähigen Federn bei den Nichtvogel-Dinosauriern entwickelten und welche Dinosaurier schon gleiten oder sogar fliegen konnten, ist bisher umstritten.

Mehr Aufschluss über diese Fragen könnte nun ein Fossil liefern, dass Xing Xu vom Institut für Wirbeltierpaläontologie der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Peking und seine Kollegen entdeckt haben. Das Fossil stammt aus dem Westen der chinesischen Provinz Liaoning, einer Region, in der schon viele gefiederte Dinosaurier gefunden wurden. In einer rund 100 bis 145 Jahre alten Gesteinsformation stießen die Paläontologen dort auf das nahezu komplette Skelett des Jianianhualong tengi getauften Dinosauriers. Die anatomische Vergleichsanalyse ergab, dass es sich bei diesem Tier um einen frühen Vertreter der sogenannten Troodontidae handelt – einer Gruppe gefiederter Dinosaurier, zu der auch die schon ziemlich vogelähnlichen Vertreter Anchiornis und Jinfengopteryx gehören. Jianianhualong war zu Lebzeiten rund einen Meter lang und etwa so schwer wie ein Papagei.

Lang und asymmetrisch

Das eigentlich Spannende an diesem neuen Fossil jedoch ist sein Federkleid: Jianianhualong trägt an den Armen, Beinen und an Rücken und Schwanz lange Federn. "Dies ist ein wichtiger Beweis für die Präsenz von echten Federn schon bei frühen Troodontiden", sagen Xu und seine Kollegen. Während die vorderen Federn des Fossils nicht sehr gut erhalten sind, ist die Struktur und Anordnung der großen Schwanzfedern gut zu erkennen. "Sie bilden einen büschelartigen Federschwanz und entsprechen damit eher einem primitiven Typus", berichten die Forscher. Doch die Federn selbst sind überraschend modern. "Interessanterweise zeigte eine besonders gut konservierte seitliche Schwanzfeder eine relativ starke Asymmetrie", so Xu und seine Kollegen. "Die nach hinten gerichtete Seite ist etwa doppelt so breit wie die nach vorne zeigende." Ihren Angaben nach ist dies der früheste Beleg für eine solche asymmetrische Feder bei dieser Gruppe der Dinosaurier – und ein Beleg dafür, dass solche Federn damals verbreiteter waren als bisher angenommen. Zuvor hatte man solche sehr vogeltypischen Federn nur an den Vorderbeinen des Microraptor nachgewiesen, bei den Troodontiden jedoch fehlte ein solcher Beleg.

Wie aber setzte der Jianianhualong seine Federn ein? Konnte er womöglich schon fliegen? Diese Frage können die Paläontologen bisher nicht beantworten. Aber: "Die Präsenz dieser Federn deutet daraufhin, dass diese gefiederten Dinosaurier bessere aerodynamische Fähigkeiten besaßen als man ihnen bisher zugetraut hat", sagen die Forscher. Die asymmetrischen Schwanzfedern stabilisieren den Luftstrom und damit die Position des Tieres. Ob Jianianhualong diese Vorteile nur beim schnellen Laufen nutzte oder aber schon zu kurzen Gleitstrecken abhob, ist bisher unklar. Dazu müsste man weitere Fossilien dieser Art finden, bei denen auch die Federn an den bereits leicht verlängerten Armen komplett erhalten sind.

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