Pflanzenfresser-Dinos genossen Krabben-Beilage

Dieses in einem Kotstein entdeckte Stück stammt offenbar von einem Krustentier. (Foto: K. Chin et al./Sci. Rep. CC BY 4.0)

Fleischfresser oder Pflanzenfresser - bei den großen Saurierarten waren die Futtervorlieben klar zugeordnet, könnte man meinen. Doch nun belegt die Untersuchung fossiler Geschäftchen von Entenschnabelsauriern: Die eigentlich als Vegetarier geltenden Dinos schmausten auch gerne mal Krebstiere, um sich möglicherweise zur Fortpflanzungszeit gezielt mit zusätzlichem Eiweiß zu versorgen.

Exkremente gelten nicht gerade als etwas Kostbares, doch wenn Kot 75 Millionen Jahre alt ist, ändert sich das. Im aktuellen Fall handelt es sich um versteinerte Hinterlassenschaften, die ein Forscherteam um Karen Chin University of Colorado in Boulder Vertretern der Entenschnabelsaurier (Hadrosaurier) zuordnet. Diese waren eine besonders erfolgreiche Gruppe von Dinosauriern der späten Kreidezeit. Die bis zu drei Tonnen schweren Tiere gelten mit ihrem charakteristischen Kauapparat zudem als ein Paradebeispiel für Pflanzenfresser.

Überraschungsfund in Dino-Geschäftchen

Die Kotsteine (Koprolithe), die den Forschern zufolge mit hoher Wahrscheinlichkeit von diesen Tieren stammen, wurden an einem Fundort im heutigen US-Bundesstaat Utah entdeckt. Da sie spannende Informationen darüber liefern können, was die Hadrosaurier einst gefressen haben, nahmen die Forscher sie genau unter die Lupe: Sie fertigten Dünnschnitte der Koprolithe an, die sie anschließend mikroskopisch untersuchten.

Neben den Resten von Pflanzenfasern stießen sie dabei auf überraschende Strukturen: Sie fanden auffällig viele Bruchstücke der Schalen von Krebstieren. Sie entdeckten diese ungewöhnlichen Überbleibsel in mindestens zehn Koprolith-Proben aus drei verschiedenen Schichten des Fundortes. Daraus schließen sie: Es scheint sich um einen typischen Kotbestandteil gehandelt zu haben. Somit bildeten offenbar Krustentiere einen Nahrungsbestandteil der Hadrosaurier dieser Region, bei der es sich in der Kreidezeit um einen Küstenbereich gehandelt hat.

Sie fanden außerdem Indizien dafür, dass die Dinosaurier die Krebse nicht etwa versehentlich mit ihrer Pflanzenkost gefressen haben. Die Merkmale der Schalenreste legen nahe, dass die Krebstiere mindestens fünf Zentimeter groß gewesen sind und einige noch deutlich größer. Möglicherweise handelte es sich um Krustentiere ähnlich wie die heutigen Hummer, Garnelen oder Krebse. "Wenn wir die Größe der Krebstiere berücksichtigen, und dass sie wahrscheinlich zappelten, ist anzunehmen, dass die Dinosaurier sie bewusst gefressen haben", sagt Chin.

Eiweißquelle für die Fortpflanzungszeit?

Konkret vermuten die Forscher, dass die Dinosaurier im Uferbereich gezielt Stellen mit verrottendem Holz aufsuchten, da sie hier die gehaltvolle Zusatznahrung fanden. Die Krebstiere könnten ihnen vor allem Proteine und Kalzium geliefert haben. Möglicherweise war dies zu bestimmten Phasen im Leben der Dinosaurier wichtig: in der Fortpflanzungszeit. Denn Eier und deren Inhalt benötigen viel Kalzium beziehungsweise Eiweiß. Auch von heutigen Vogelarten ist bekannt, dass sie in der Fortpflanzungszeit mehr Protein und Kalzium zu sich nehmen, um eine erfolgreiche Reproduktion zu gewährleisten, betonen die Forscher.

Inwieweit auch andere als Vegetarier geltende Groß-Dinosaurier mal nebenher tierische Kost zu sich nahmen, bleibt Spekulation. "Doch vermutlich nutzten zumindest einige Arten von Pflanzenfressern gelegentlich solch überraschende Futterquellen", meint Chin.

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