Zecken parasitierten schon die Dinosaurier

Bernsteinstück mit Dinosaurierfedern und einer daran festgeklammerten Zecke (Foto: Nature Communications; Penalver et al.)

Schon zur Zeit der Dinosaurier gab es Zecken – davon zeugen in Bernstein konservierte Exemplare dieser Blutsauger. Doch erst jetzt haben Forscher Beweise dafür entdeckt, dass die urzeitlichen Zecken auch das Blut der Dinosaurier saugten. In einem 99 Millionen Jahre alten Stück Bernstein fanden sie eine Schildzecke, die an der Feder eines gefiederten Raubsauriers festgeklammert war. In weiteren Klumpen entdeckten sie Zecken gemeinsam mit den Relikten eines Nestparasiten, sowie ein vollgesogenes Exemplar.

Spätestens seit dem Roman "Jurassic Park" von Michael Crichton und den darauf basierenden Kinofilmen sind Zecken aus der Ära der Dinosaurier zu einem ganz eigenen Ruhm gelangt. Denn im Buch und Film nutzen Forscher die Dinosaurier DNA, die in der letzten Blutmahlzeit der in Bernstein konservierten Zecken und Mücken enthalten ist, um daraus lebende Dinosaurier zu klonen. Ob tatsächlich schon die Dinosaurier von Zecken befallen wurden, blieb allerdings lange eine bloße Vermutung. Denn Funde von Blutsaugern in Bernstein sind selten und die meisten dieser Fossilien sind erst maximal 50 Millionen Jahre alt – sie stammen damit aus einer Zeit lange nach dem Aussterben der Dinosaurier. Erst Anfang 2017 haben Paläontologen eine bereits 100 Millionen Jahre alte Zecke in Bernstein entdeckt. Dieser fossile Parasit gehörte zur Gruppe der Amblyomma-Schildzecken – und damit immerhin zu einer Zeckengattung, die bis heute auf Reptilien als "Blutspender" spezialisiert ist. Doch ein direkter Beweis, dass diese Zecken das Blut von Dinosauriern saugten, war dies noch nicht.

Feder und Zecke in einem Bernstein

Den ersten echten Beweis haben nun jedoch Forscher um Enrique Peñalver vom Institut für Geologie und Mineralien Spaniens (IGME) in Madrid gefunden. In einem 99 Millionen Jahre alten Stück burmesischen Bernsteins entdeckten sie eine Schildzecke, die mit einem ihrer Beine an eine fossile Feder geklammert war. An dem knapp zwei Zentimeter langen Federstück ist der Federschaft mit den anhängenden Federhärchen gut zu erkennen. Wie die Forscher erklären, sprechen die häkchenbesetzten Federhärchen und die Asymmetrie der Feder dafür, dass sie von einem gefiederten Dinosaurier stammt. Wahrscheinlich gehört dieser zu den Theropoden, einer Gruppe, die sowohl flugunfähige gefiederte Raubsaurier umfasste als auch vogelähnliche Dinosaurier, die schon fliegen konnten.

"Wir können daher zwar nicht genau sagen, welche Art von Dinosauriern diese Zecke als Wirt nutzte, aber das Alter des Bernsteins bestätigt uns, dass diese Feder nicht zu einem modernen Vogel gehörte", sagt Co-Autor Ricardo Pérez-de la Fuente von der Oxford University. Er und seine Kollegen sehen in diesem Fund einen ersten direkten Beleg dafür, dass urzeitliche Zecken bereits das Blut von Dinosauriern saugten. Die Forscher ordnen die fossile Zecke der Art Cornupalpatum burmanicum zu, einer ausgestorbenen Vorform unserer heutigen Schildzecken, von der zuvor erst zwei Larven bekannt waren. Aus der Position von Feder und Zecken im Bernstein schließen sie, dass der Blutsauger mit samt der Feder von seinem Wirtstier heruntergefallen sein muss.

Nestbewohnende Parasiten

In weiteren Bernsteinstücken aus der gleichen Zeit haben die Paläontologen jedoch noch drei weitere Zecken entdeckt – und diese liefern zusätzliche indirekte Belege für eine enge Verbindung mit den Dinosauriern. Alle drei gehören zu einer zuvor unbekannten Zeckenart, die die Forscher Deinocroton draculi – "Draculas Schreckenszecke" getauft haben. Das Spannende daran: Zwei dieser Zecken wurden gemeinsam mit den Borsten eines Käfers im Baumharz eingeschlossen, dessen Nachfahren häufig in Vogelnestern leben. Dort ernähren sie sich von Federn, Hautschuppen und anderen organischen Resten, die von den Nestbewohnern abfallen. "Das ungewöhnliche Auftreten von gleich zwei verschiedenen Ektoparasiten in einem Bernsteinstück lässt sich am ehesten dadurch erklären, dass auch diese Zeckenart in den Nestern ihrer Wirte lebte", sagen die Forscher. Es liege daher nahe, dass auch diese kreidezeitliche Zeckenart das Blut von gefiederten Dinosauriern gesaugt habe.

Eine der Deinocroton-Zecken wurde damals sogar auf frischer Tat ertappt: Das urzeitliche Baumharz hat sie unmittelbar nach ihrer letzten Blutmahlzeit in vollgesogenem Zustand eingeschlossen und konserviert. Durch das Blut war der Hinterleib der Zecke bis auf die achtfache Größe angeschwollen. "Leider ist es nicht möglich, die Zusammensetzung des Blutes im Inneren dieser Zecke genauer zu bestimmen", erklärt Koautor Xavier Declos von der Universität von Barcelona. "Denn die Zecke war nicht vollständig vom Bernstein umschlossen, dadurch wurde ihr Darminhalt durch Mineralienablagerungen verändert." Ob es sich bei der letzten Blutmahlzeit dieser Zecke tatsächlich um Dinosaurierblut gehandelt hat, bleibt daher offen. Dennoch halten es die Forscher angesichts der restlichen Funde für sehr wahrscheinlich, dass diese Zecke einst an einem gefiederten Dinosaurier parasitiert hat.

"Diese Funde belegen, dass die parasitische Beziehung, die heute Zecken und Vögel verbindet, auch schon bei den Vorfahren dieser Tiergruppen existierte", konstatieren die Wissenschaftler. "Diese Parasit-Wirtsbeziehung besteht schon seit mindestens 99 Millionen Jahren." Während die Verwandten der Schildzecke Cornupalpatum bis in die heutige Zeit überlebten – unter anderem in Form des Gemeinen Holzbocks Ixodes ricinus, starb die Stammeslinie der Deinocroton-Zecken mit dem Ende der Kreidezeit aus. "Möglicherweise waren diese Zecken stark auf ihre jeweiligen Wirte spezialisiert und verschwanden deshalb zusammen mit den gefiederten Dinosauriern", mutmaßen Peñalver und seine Kollegen.

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