Auf den Mond gekommen

 Die Anziehungskraft der Marsmonde ist geringer, als die des Mars selber. Bild: Nasa
Die Anziehungskraft der Marsmonde ist geringer, als die des Mars selber. Bild: Nasa
Der nächste Schritt der bemannten Raumfahrt könnte auf die Marsmonde Phobos und Deimos führen anstatt auf den Roten Planeten selbst. Eine solche Mission wäre nicht nur deutlich billiger, sie würde auch die Astronauten durch Lande- und Startmanöver weniger gefährden, erklärte Pascal Lee vom Mars-Institut in Moffett Field auf einer Konferenz der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa. Da der technische Aufwand und die Vorbereitungen einer Marsmondmission deutlich geringer ausfielen als bei einem direkten Besuch der Marsoberfläche, könnte eine solche Expedition bereits in den kommenden zehn Jahren starten. Unter Wissenschaftlern ist allerdings umstritten, ob es sich lohnen könnte, Menschen statt Roboter auf einen Marsmond zu schicken.
Für den Astronomen Lee sind die Marsmonde interessante Reiseziele für Astronauten. Das Risiko für die Menschen an Bord sei gering, da die Annäherung an Phobos und Deimos ähnlich dem Andocken an eine Raumstation stattfinde. Phobos hat einen Durchmesser von 25, Deimos von 15 Kilometern. Die Anziehungskräfte der Monde sind tausendfach kleiner als bei der Erde. Treibstoff zum Abheben müsse nicht mitgeführt werden, betont Lee. Insgesamt würde eine solche Marsmondmission rund dreißig Milliarden Dollar kosten. Der Besuch des Mars wäre etwa zehnmal teurer, schätzen Experten.

Die Forscher sehen in der Erkundung der Marsmonde auch einen wissenschaftlichen Wert. Bislang ist nur wenig über die Monde bekannt. So ist beispielsweise ihre Herkunft unklar. Es könnten eingefangene Asteroiden sein, oder ein vormaliger größerer Mond könnte zerfallen sein und Phobos und Deimos gebildet haben. Da die Umlaufbahn von Phobos nur rund 9.000 Kilometer über dem Mars liegt, könnten Asteroideneinschläge auf dem Planeten viel Material bis auf den Mond geschleudert haben. Da auf dem Mond keine Verwitterungsprozesse wie auf dem Mars ablaufen, wäre Phobos eine Fundgrube für altes Marsgestein, vermutet der Astronom Lee.

Allerdings müssen sich Lee und seine Kollegen fragen lassen, ob nicht auch Roboter den Job auf Phobos und Deimos übernehmen könnten. Schließlich wollen russische Weltraumforscher in naher Zukunft eine unbemannte Sonde auf Phobos absetzen. Anvisiert für das Jahr 2009 soll die Sonde ins All starten, um auf dem Mond Gestein aufzusammeln und zur Erde zurückzubringen. Lee empfiehlt indes, eine bemannte Marsmondmission in das Programm zur Marserkundung der Nasa zu integrieren. Sie könnte als Trittstein dienen, um später wirklich einen Fuß auf den Roten Planeten zu setzen.
New Scientist, Onlinedienst

ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer


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