Wie man Krankheitskeime auf Raumschiffen findet

 Ein Minilabor soll es Astronauten in Zukunft ermöglichen, zu erkennen, ob sich Mikroorganismen auf den Oberflächen der Raumkaspel abgesetzt haben - wie diese Pilze im Inneren der ISS. Foto: Nasa
Ein Minilabor soll es Astronauten in Zukunft ermöglichen, zu erkennen, ob sich Mikroorganismen auf den Oberflächen der Raumkaspel abgesetzt haben - wie diese Pilze im Inneren der ISS. Foto: Nasa
Die amerikanische Weltraumbehörde Nasa rüstet zum Kampf gegen Mikroorganismen in ihren Raumfähren: Mit einem handtellergroßen so genannten "lab-on-a-chip" (Labor auf einem Chip) sollen Astronauten künftig in Minuten erkennen können, ob sich Bakterien oder Pilze auf den Oberflächen der Raumkapseln abgesetzt haben. Bisher kann das unerwünschte Innenleben von Raumstationen nur in Labors auf der Erde entdeckt und analysiert werden. Die neue Technik könnte bei künftigen Marsmissionen für mehr Sicherheit sorgen, meldet das Marshall Space Flight Center in Huntsville.
Bei einem lab-on-a-chip laufen auf einem häufig nur kreditkartengroßen Chip dank winziger Kanäle, die Nährlösungen, Chemikalien oder andere Flüssigkeiten transportieren können, komplexe chemische, biologische oder physikalische Vorgänge ab. So können diese Minilabors Analysen liefern, für die sonst ein großer Aufwand in einem Labor erforderlich ist. Einen ersten, speziell für den Einsatz im Weltraum konzipierten Prototypen, der bestimmte Bakterien aufspüren kann, haben die Wissenschaftler des Marshall-Forschungszentrums bereits auf der Raumstation ISS in der Erprobung.

Im kommenden Herbst soll ein weiterer Prototyp folgen, der 130 verschiedene Mikroorganismen gezielt bestimmt und zunächst in der Arktis getestet werden soll. Ziel der Forscher ist es, ein Handgerät zu entwickeln, das Tausende verschiedener Mikroorganismen identifizieren kann. Damit wären die Astronauten ständig im Bilde, welche Organismen sich in ihren Raumfähren tummeln und könnten Gegenmaßnahmen ergreifen, falls es sich um gefährliche Erreger handelt.

Mit häufig reichlich Kondenswasser und Temperaturen von knapp dreißig Grad Celsius können Raumstationen wahre Brutstätten von Bakterien und Pilzen sein, ergaben bereits Tests auf der 2001 außer Dienst gestellten Raumstation MIR. Die Erreger befallen nicht nur die Trinkwasser- oder Lüftungssysteme und können die Astronauten krank machen, sondern bergen auch Gefahren für die sensible Technik an Bord: So können die unerwünschten Mitfahrer Gummidichtungen an den Fenstern oder Isolierungen von Kabeln angreifen oder Säuren absondern, die Glas oder Kunststoff zersetzen. Laut den Nasa-Forschern verursachen sie auch Korrosion an Metallteilen und gefährden damit sogar die Stabilität der Raumfähre.
Mitteilung des Marshall Space Flight Center, Huntsville

ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald


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