Stressfaktor Gene

Wie ein Mensch auf Stress reagiert, hängt stark von der genetischen Ausstattung ab. Das haben Forscher aus Israel bei Tests mit knapp hundert Freiwilligen gezeigt. Bei Männern mit einer von zwei bestimmten Genkombinationen stieg unter Stress der Wert des Stresshormons Cortisol stärker an als bei Männern mit der zweiten Kombination. Bei Frauen verhielt sich der Zusammenhang zwischen beiden Varianten hingegen genau umgekehrt, berichten die Forscher um Marsh Kaitz von der Hebräischen Universität in Jerusalem.
Die Wissenschaftler versetzten in ihrer Studie insgesamt 97 Freiwillige unter Stress: So hatten die Probanden in einem fiktiven Bewerbungsgespräch einen Personalchef von ihren Fähigkeiten zu überzeugen oder von einer Zahl von über tausend in 13er-Schritten rückwärts zu zählen. Von jedem Probanden nahmen die Forscher eine Speichelprobe und bestimmten, welche Varianten des sogenannten BDNF-Gens vorlagen. Dieses Gen spielt bei der Entwicklung von Gehirnzellen eine Rolle. Seine Aktivität wird jedoch auch stark von Stressreaktionen geprägt. Das Gen tritt entweder als "Val"- oder als "Met"-Variante auf.

Die Forscher verglichen in den Tests die Reaktionen von Probanden mit zwei Val-Varianten mit denen von Freiwilligen, die eine Val- und eine Met-Variante in sich trugen. Die Wissenschaftler bestimmten dazu den Cortisol-Wert im Speichel und maßen typische Stressanzeiger wie Blutdruck und Herzschlag. Dabei erwiesen sich Männer des Val/Val-Typs als deutlich stressempfindlicher als ihre Geschlechtsgenossen des Val/Met-Typs. Überraschend für die Forscher war es bei den Frauen genau umgekehrt: Die Val/Met-Frauen reagierten auf Stress stärker und zeigten höhere Cortisol-Spiegel, einen höheren Blutdruck und einen erhöhten Herzschlag im Vergleich zu den Frauen mit der Val/Val-Variante.

Eine schlüssige Erklärung für diese Geschlechtsunterschiede haben die Forscher bisher nicht. Die Ergebnisse zeigten jedoch, dass bei der Behandlung von Stress und stressbedingten Krankheiten auch genetische Faktoren berücksichtigt werden müssten. Depressionen und andere psychische Krankheiten entstünden offensichtlich aus dem Zusammenspiel von Stresserlebnissen und genetischen Faktoren.
Marsh Kaitz (Hebräische Universität, Jerusalem) et al.: Psychoneuroendocrinology, doi:10.1016/j.psyneuen.2008.09.017

ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald


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