Das Krebs-Leiden

 Der Gemeine Einsiedlerkrebs kann keinen eigenen Panzer bilden. Darum schützt er sich mit Hilfe von verlassenen Schneckenhäusern vor Feinden.
Der Gemeine Einsiedlerkrebs kann keinen eigenen Panzer bilden. Darum schützt er sich mit Hilfe von verlassenen Schneckenhäusern vor Feinden.
Krebse können nicht nur Schmerz empfinden, sondern erinnern sich später auch daran. Das haben Wissenschaftler in Großbritannien bei Experimenten mit Einsiedlerkrebsen herausgefunden. Die beiden Forscher Bob Elwood und Mirjam Appel von der Queen?s University in Belfast setzten die Krustentiere dazu kleinen Stromstößen aus, die sie als unangenehm empfanden. Die Krebse waren daraufhin wesentlich schneller bereit, aus ihrer alten Behausung auszuziehen und sich eine neue Unterkunft zu suchen - für die beiden Forscher ein deutliches Zeichen, dass die Krebse nicht nur reflexartig auf Schmerz reagieren, sondern ihn gezielt zu vermeiden suchen. Die Wissenschaftler plädieren daher für einen besseren Schutz von Krustentieren.
Der Gemeine Einsiedlerkrebs Pagurus bernhardus besitzt keinen eigenen Panzer, um seinen weichen Hinterleib zu schützen. Daher schlüpfen die Krebse in leere Schneckenhäuser oder andere Verstecke und tragen diese anschließend als mobilen Unterschlupf mit sich herum. Im Laufe ihres Wachstums tauschen Einsiedlerkrebse ihre Behausung dabei immer wieder gegen größere aus. Bevor Pagurus bernhardus in ein neues Quartier umzieht, überprüft der Einsiedlerkrebs sein neues Heim normalerweise gründlich, schreiben die Forscher. Beispielsweise nehmen sie mit ihren Klauen Proben der Schneckenschale und untersuchen sie genau.

Bei Tieren, denen die Forscher milde Stromstöße verabreicht hatten, konnten sie aber ein anderes Verhalten beobachten. Auch nach dem Ende des elektrischen Schocks waren sie wesentlich schneller als ihre Artgenossen bereit, aus ihrem alten Schneckenhaus auszuziehen und in ein anderes zu wechseln, das ihnen die Forscher anboten. Elwood und Appel beobachteten die Krebse dabei genau und stellten fest, dass die geschockten Einsiedlerkrebse ihr neues Heim wesentlich oberflächlicher untersuchten als Vergleichstiere. Daraus schließen sie, dass die Krebse ganz gezielt auf die unangenehme Erfahrung reagierten.

Aus ihren Forschungsergebnissen leiten die Wissenschaftler einen gesteigerten Handlungsbedarf für den Schutz von Krustentieren ab. Demnach wird die Schmerzempfindlichkeit von Krabben und Krebsen vor allem bei der massenhaften Zucht der Tiere vernachlässigt. ?Hier wird ein möglicherweise riesiges Problem ignoriert?, sagt Elwood und fordert Gesetzgeber weltweit dazu auf, bessere Richtlinien für den Schutz der Krustentiere zu erlassen.
Bob Elwood (Queen?s University, Belfast) et al.: Animal Behaviour, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1016/j.anbehav.2009.01.028

ddp/wissenschaft.de - Markus Zens


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