Tropfen am Bein

 Auf dem Roboterarm der Raumsonde Phoenix sind möglicherweise Wassertropfen zu sehen. Foto: NASA/JPL-Caltech/University of Arizona/Max Planck Institute
Auf dem Roboterarm der Raumsonde Phoenix sind möglicherweise Wassertropfen zu sehen. Foto: NASA/JPL-Caltech/University of Arizona/Max Planck Institute
Die Marssonde Phoenix hat möglicherweise die ersten Bilder von flüssigem Wasser auf dem Mars geliefert: Bei kleinen Kügelchen, die auf Fotos vom Gestell der Nasa-Sonde zu sehen sind, handelt es sich mit hoher Wahrscheinlichkeit um Wassertropfen, glauben Forscher nach der Auswertung der Bilder. Sie vermuten, dass ein extrem hoher Salzgehalt das Wasser auch auf der kalten Marsoberfläche flüssig halten könnte.
Bereits 2005 konnte die ESA bestätigen, dass sich unter der Marsoberfläche Eis befindet. Den bisherigen Annahmen zufolge verdampft dieses Eis zwar unter bestimmten Umständen, liegt jedoch nie in flüssiger Form vor. Bilder von der Sonde Phoenix lassen nun jedoch Zweifel an dieser These aufkommen: Am Gestänge der Sonde entdeckten sie kleine ovale Objekte, die mit jedem Tag größer wurden ? nach Vermutung der Forscher handelt es sich um Wassertropfen, die Wasserdampf aus der Umgebung aufnehmen.

Als überzeugendsten Hinweis werteten sie Bilder, auf denen sich zwei der Tropfen zu einem großen vereinigten. Die Forscher vermuten, dass die Tropfen während der Landung der Raumsonde aufgewirbelt worden sein könnten. Möglicherweise hätten die Schubdüsen der Sonde das Wasser bei der Landung aus einer Eisschicht geschmolzen und hochgewirbelt, schildern die Wissenschaftler. Während der Phoenix-Mission wurde es an der Marsoberfläche nie wärmer als minus 20 Grad Celsius ? reines Wasser wäre bei diesen Temperaturen sofort zu Eis erstarrt. Die Messergebnisse der Raumsonde zeigen allerdings, dass an der Landestelle der Sonde sogenannte Perchlorate vorkommen. Diese Salze sind die Trockenform einer starken Säue und können in hoher Konzentration den Gefrierpunkt von Wasser auf unter minus 70 Grad Celsius absenken.

Die Vermutung, dass die Phoenix-Bilder Wassertropfen zeigen, wird durch die Entdeckung der Salze plausibel. Viele Nischen auf dem Mars könnten demnach flüssiges Salzwasser enthalten, erklären die Forscher. Das sich dort Leben entwickelt hat, halten sie für möglich, aber unwahrscheinlich: Zwar gebe es auf der Erde zahlreiche Beispiele für Mikroorganismen, die unter extremen Bedingungen leben, jedoch könne kein bisher bekanntes Lebewesen einen so hohen Salzgehalt verkraften. Genauer überprüfen können sie ihre Ergebnisse allerdings vorerst nicht ? die Marssonde hat mittlerweile ihren Dienst aufgegeben und die Forscher erwarten nicht, weitere Signale von ihr zu empfangen.
New Scientist, Onlinedienst

Nilton Renno (Universität von Michigan) et al.: Beitrag auf der 40. Lunar and Planetary Science Conference

ddp/wissenschaft.de ? Martin Rötzschke


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