Angst gelöscht

 Mit Fotos und schaurigen Tönen trainierten die Probanden sich Angst vor Spinnen an. Foto: Merel Kindt
Mit Fotos und schaurigen Tönen trainierten die Probanden sich Angst vor Spinnen an. Foto: Merel Kindt
Eine spezielle Substanz kann Angstzustände aus dem sogenannten Angstgedächtnis löschen. Dieses Angstgedächtnis speichert Erinnerungen an vormalige traumatische Erlebnisse und belastet Menschen, wenn diese Erinnerungen wieder abgerufen werden. In einem kontrollierten Laborexperiment konnten niederländische Forscher um Merel Kindt von der Universität Amsterdam Inhalte aus dem Angstgedächtnis ausradieren ? und das auf Dauer. Selbst längere Zeit nach dem Experiment schreckten die Probanden nicht mehr vor den Angstreizen des Experiments zurück. Damit könnten Therapien für posttraumatische Belastungsstörungen entwickelt werden, die als Folge von Unfällen oder Kriegserlebnissen entstanden sind, schreiben die Forscher.
Aus Mäuseexperimenten wissen Forscher, dass sich das Angstgedächtnis durch den Rezeptorblocker Propranolol manipulieren lässt. Durch ihn lassen sich die Stoffwechselvorgänge während des Wiedererinnerns an Angstzustände und der Gedächtnisformation in der für Angst zuständigen Gehirnregion namens Amygdala beeinflussen und Angstgefühle auslöschen. Sie wollten diese Erkenntnisse auf den Menschen übertragen und stellten zunächst sicher, dass die Substanz Propranolol für die sechzig Probanden des Tests sicher und verträglich ist.

In der ersten von drei Testphasen stellten die Forscher bei den freiwilligen Studenten zunächst eine Angstassoziation her: Auf dem Computerbildschirm zeigten sie Bilder und immer wenn eine Spinne erschien, spielten sie über Kopfhörer zeitverzögert einen ohrenbetäubenden Ton ein. Als Maß für die Angst nahmen die Forscher das Zucken der Augenlider. Am zweiten Tag gaben die Forscher einem Teil der Studenten vor der Wiederholung des Tests die Substanz Propranolol. Die Idee dahinter: Propranolol greift in den Stoffwechselvorgang des Angstabrufens im Gehirn ein und löscht die Assoziation von Spinne mit schmerzhaften Geräusch. Eine Kontrollgruppe erhielt hingegen ein Scheinmedikament.

Am dritten Tag mussten die Probanden nochmal vor den Bildschirm. Bei der Kontrollgruppe hielt die Angst vor Spinnenbild mit Kracheinspielung unvermittelt an, während bei den mit Propranolol behandelten Studenten die Schreckensreaktion nicht nur reduziert, sondern sogar ganz eliminiert war, schreiben die Forscher. Der Mechanismus dahinter ist den Forscher aber unklar: Ob die Gedächtnisinhalte komplett gelöscht wurden oder die Behandlung nur den Abrufvorgang aus dem Angstgedächtnis stört, können die Psychologen bisher nicht sagen.
Merel Kindt (Universität Amsterdam) et al.: Nature Neuroscience (DOI: 10.1038/nn.2271)

ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer


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