Ein Blick fürs Wer-mit-Wem

Zehn Sekunden reichen zum Beurteilen aus, ob ein Mann und eine Frau aneinander interessiert sind. Frauen sind dabei allerdings schwerer einzuschätzen als Männer, während die Absichten eines Mannes leicht zu durchschauen sind. Das haben Psychologen um Skyler Place von der Indiana State University in Bloomington in einem Experiment herausgefunden: Sie ließen 54 Amerikaner kurze Videoausschnitte bewerten, die bei Speed-Dating-Veranstaltungen in Berlin aufgenommen wurden.
Die Berliner Singles hatten pro Partner drei Minuten Zeit zum Flirten, danach gaben beide Personen an, ob sie ihr Gegenüber wiedersehen wollten oder nicht. Nur wenn es von beiden erwünscht war, wurden die Kontaktdaten ausgehändigt. Im Gegenzug für den kostenlosen Dating-Service der Humboldt-Universität ließen sich die Teilnehmer bei den Treffen für Forschungszwecke filmen.

Das eigentliche Experiment fand später im US-Bundesstaat Indiana statt: Die Forscher spielten freiwilligen Studenten, die kein Deutsch konnten, zehn oder dreißig Sekunden dauernde Videoausschnitte von Mitte oder Ende der Speed-Dates vor. Die Studenten sollten beurteilen, wer von den Partnern am anderen interessiert war und wer nicht. Die Länge der Videoausschnitte spielte keine Rolle für die Richtigkeit der Prognosen, stellten die Forscher fest. Außerdem waren männliche und weibliche Beobachter gleich gut darin, das Interesse der Männer beim Speed-Dating einzuschätzen ? und gleichermaßen erfolglos bei der Bewertung der Frauen. Während die flirtenden Männer in fast zwei Dritteln aller Fälle richtig beurteilt wurden, lagen die Prognosen, ob eine Frau interessiert war, kaum besser als schlichtes Raten. Meist wurde das Interesse der Frauen überbewertet.

Die Fähigkeit zum Bewerten des Paarungswillens war in der Evolution sehr wichtig und ist es auch heute noch, da sie ermöglicht, die Bemühungen nur auf erfolgversprechende potenzielle Partner zu konzentrieren, erklären die Forscher. Auch für die Unterschiede bei der Bewertung von Männern und Frauen finden sie eine mögliche Erklärung: Aufgrund der unterschiedlichen Rollen von Mann und Frau bei der Fortpflanzung müssen Frauen bei der Partnerwahl wählerischer sein als Männer. Darum sind sie seltener an intimen Treffen interessiert. Häufig verbergen sie jedoch ihr Desinteresse und flirten trotzdem, weil sie möglichst viele Männer genauer begutachten wollen, um eine möglichst gute Wahl zu treffen.
Skyler Place (Indiana University, Bloomington) et al.: Psychological Science, Bd. 20, Nr. 1, S. 22

ddp/wissenschaft.de ? Martin Rötzschke


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