Teilchenbeschleuniger LHC: Forscher weisen auf die Ungefährlichkeit Schwarzer Minilöcher hin

Seit einigen Monaten haben Unglückspropheten wieder einmal Hochkonjunktur. Den Stoff für die apokalyptischen Szenarien liefert der Teilchenbeschleuniger Large Hadron Collider (LHC), die größte Maschine, die jemals gebaut wurde. Er wird am Mittwoch zum ersten Mal zum Leben erweckt. Die Welt wird dann aber nicht untergehen, sagen CERN-Experten. Sie legten nun einen neuen Sicherheitsbericht vor.
Im 27 Kilometer langen Tunnel des LHC werden Protonen nahezu auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und prallen dann auf andere Protonen oder Blei-Atome. Bei den Kollisionen entstehen teilweise Bedingungen wie kurz nach dem Urknall. Physiker hoffen, dass dabei bislang unbekannte Teilchen entstehen und dass die Experimente endlich Klarheit bringen, welche der zahlreichen konkurrierenden physikalischen Theorien der Wahrheit entspricht.

Einigen dieser Theorien zufolge könnten im LHC sehr eigenartige Dinge passieren: Mikroskopisch kleine Schwarze Löcher könnten entstehen, es könnten sich Vakuumblasen bilden, und auch mit magnetischen Monopolen oder so genannten Strangelets rechnen manche Forscher. Bei letzteren handelt es sich um Teilchen, die normaler Materie ähneln, deren Kerne aber nicht aus dem Up- und dem Down-Quark bestehen, sondern auch noch mehrere so genannte Strange (seltsame) Quarks enthalten.

Vor allem die Schwarzen Minilöcher haben es den Unglückspropheten angetan. In Internetforen und in den Medien sind Befürchtungen im Umlauf, dass die Schwarzen Löcher die Erde von innen auffressen und schließlich das ganze Weltall vernichten könnten. Auch die Vakuumblasen haben es in sich. Einer Theorie zufolge ist unser ganzes Universum nicht stabil, wenn es sich nicht im niedrigsten Energiezustand befindet. Würde ein niedrigerer Energiezustand innerhalb einer solchen Vakuumblase erzeugt, würde das Universum auf einen Schlag verschwinden. Magnetische Monopole dagegen drohen die Grundbausteine der Materie, Protonen und Neutronen, aufzuessen. Strangelets wiederum könnten ansteckend wirken und die gesamte Materie in seltsame Materie verwandeln.

Derlei Katastrophen sind aber nicht zu befürchten, sagen die CERN-Experten. Ihr Hauptargument: Wenn kosmische Strahlen auf die Erde oder die Sonne treffen, wird zum Teil noch mehr Energie freigesetzt als im LHC. Alle exotischen Teilchen, die im LHC entstehen könnten, müssten daher auch haufenweise in der Erdatmosphäre oder in anderen Himmelskörpern auftreten. So viele Kollisionen, wie sie während der Lebenszeit des LHC geplant sind, haben in der Erdgeschichte schon hunderttausendmal stattgefunden, schreiben die Physiker. Wenn das gefährlich wäre, gäbe es weder Sterne noch Planeten und schon gar nicht die Menschheit, argumentieren die Forscher.

Die Physiker selbst haben ein ganz anderes Alptraum-Szenario: Wenn bei den LHC-Experimenten gar kein neues Teilchen gefunden werden sollte, dürfte das Geld für Nachfolgeprojekte nur schwer zu bekommen sein.
John Ellis (Cern, Genf) et al.: Journal of Physics G: Nuclear and Particle Physics Nr. 35, S. 115004

Ute Kehse


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