Astronomen entdecken kosmischen Geisterfahrer

 Der Himmelskörper 2008 KV42 umkreist die Sonne in einer ungewöhnlichen Umlaufbahn. Bild: CFEPS
Der Himmelskörper 2008 KV42 umkreist die Sonne in einer ungewöhnlichen Umlaufbahn. Bild: CFEPS
Kanadische Forscher haben weit draußen im Sonnensystem einen Kometen gefunden, der die Sonne entgegen der üblichen Drehrichtung umrundet: Während die Planeten unser Zentralgestirn ? von oben betrachtet ? gegen den Uhrzeigersinn umkreisen, bewegt sich der 2008 KV42 genannte Eisbrocken in entgegengesetzter Richtung. Außerdem steht seine Bahnebene mit einem Winkel von 104 Grad fast senkrecht zur Bahnebene der Erde.
Anders als der Halleysche Komet , der 1986 der Erdbahn nahe kam, kommt 2008 KV42 nur bis auf eine Entfernung heran, die der des Planeten Uranus entspricht. Die Entdecker um Brett Gladman von der Universität von British Columbia in Vancouver vermuten aber, dass beide Kometen einen gemeinsamen Ursprung haben.

Die Forscher fanden Hinweise auf den Kometen bereits im Juli und untersuchten seither seine genauere Bahn sowie seine Zusammensetzung und Größe. 2008 KV42 besteht aus Eis und hat einen Durchmesser von etwa 50 Kilometern. An die Sonne kommt der Himmelskörper bis auf den 20-fachen Sonne-Erd-Abstand (20 AU) heran. In dieser Entfernung umkreist Uranus die Sonne. Dann entschwindet er weit jenseits von Neptun und Pluto bis auf eine maximale Entfernung von 70 AU.

Vermutlich ist die Bahn von 2008 KV42 schon seit vielen Millionen Jahren stabil, berichten die Forscher. Dennoch muss sein Entstehungsort woanders liegen: Die Astronomen favorisieren die sogenannte Oortsche Wolke als Geburtsort, ein kugelschalenförmiges Gebiet mit Gesteinsbrocken weit außerhalb des Planetensystems. Durch kleine Störungen der Bahn wurde der Komet dann tiefer ins Sonnensystem gelenkt. Weitere Störungen könnten auch bewirken, dass der Himmelskörper ähnlich wie der Halleysche Komet noch näher an die Sonne rückt. Sowohl 2008 KV42 also auch der Halleysche Komet bewegen sich entgegen der Planetendrehung um die Sonne.

Das Forscherteam um Gladman hat in seiner Kometensuche noch 20 weitere entdeckt, doch nur 2008 KV42 läuft rückwärts. Durch genauere Beobachtungen wollen sie mehr über diese Kometen erfahren, um deren Entstehungsgeschichte und Herkunft besser zu verstehen.
Onlinedienst des New Scientist vom 4. September 2008

ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer


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