Flugroute genetisch vorprogrammiert

 Junge Eleonorenfalken, die noch keine Landmarken kennen, folgen beim Vogelzug einem vererbten Programm.
Junge Eleonorenfalken, die noch keine Landmarken kennen, folgen beim Vogelzug einem vererbten Programm.
Junge Eleonorenfalken schlagen auf ihren Reisen vom Mittelmeer zu ihren Winterquartieren auf Madagaskar ganz eigene Wege ein. Unabhängig von den erwachsenen Tieren folgen sie sehr individuellen Routen durch Afrika und erreichen dennoch mit hoher Präzision ihr Ziel im Indischen Ozean. Das haben Biologen um Marion Gschweng von der Universität Ulm herausgefunden, als sie Falken mit kleinen Satellitensendern ausstatteten und auf ihren Zugwegen verfolgten.
Die Wissenschaftler fingen in den Jahren 2003 bis 2005 auf Sardinien sechs erwachsene und sieben Jungtiere ein und statteten diese mit nur 12 bis 18 Gramm schweren Sendern aus. Diese lassen sich von Satelliten orten, so dass die Flugbewegungen der Vögel über mehrere Monate hinweg verfolgt werden können.

Beim Zug der Vögel in die Winterquartiere auf Madagaskar zeigte sich, dass nicht etwa eine einheitliche Zugroute existiert: Die erwachsenen Tiere schlugen von der nordafrikanischen Küste aus einen direkten Kurs über den Tschad oder den Sudan ein und erreichten nach gut drei Wochen das Ziel Madagaskar. Die Jungvögel hingegen hielten sich viel weiter westlich und legten in Westafrika sogar noch einen etwa zweiwöchigen Stopp ein. So tankten sie unter anderem in Niger, Kamerun und der Elfenbeinküste neue Kraft, um schließlich weiter nach Madagaskar zu fliegen, wo sie nach insgesamt gut zwei Monaten ankamen.

Dieser große Umweg über Westafrika muss bei den Tieren genetisch verankert sein, vermuten die Wissenschaftler. Da die Jungtiere unabhängig von den Eltern ziehen, können sie anders als Zugvögel wie beispielsweise Weißstörche ihre Zugrouten nicht anhand markanter Punkte in der Landschaft kennenlernen, sondern folgen einem vererbten Programm. Diese Information können die Tiere sehr präzise umsetzen: Haben die Falken nach dem langen Weg über den afrikanischen Kontinent in Mosambik die Ostküste des Landes erreicht, schaffen sie in der Regel auch die rund 1.300 Kilometer lange Strecke über den Indischen Ozean hinüber nach Madagaskar.
Marion Gschweng (Universität Ulm) et al.: Proceedings of the Royal Society B: Biological Letters, DOI: 10.1098/rspb.2008.0575.

ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald


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