Auf Wiedersehen in 22.000 Jahren

 Blick auf das Sonnensystem. Die Plutobahn ist in grün eingezeichnet, die von Sedna rot, und der neu entdeckte Komet 2006 SQ372 ist in blau zu sehen. Bild: Nathan Kaib
Blick auf das Sonnensystem. Die Plutobahn ist in grün eingezeichnet, die von Sedna rot, und der neu entdeckte Komet 2006 SQ372 ist in blau zu sehen. Bild: Nathan Kaib
In der Nähe der Bahn des Planeten Neptun haben Astronomen ein Objekt erspäht, das sich auf seiner Reise durchs All extrem weit von der Sonne entfernt. Die Distanz zwischen dem Gestirn und dem Eisklumpen 2006 SQ372 wird im Extremfall 1600-mal so groß wie die Sonne-Erd-Entfernung, berichteten Forscher um Andrew Becker von der University of Washington auf einem Symposium in Chicago.
Die Forscher entdeckten 2006 SQ372, einen 50 bis 100 Kilometer großen Kometen, im Zuge des Sloan Digital Sky Survey, einem großangelegten Projekt zur Erfassung aller möglichen Himmelskörper. Mit einem besonderen Such-Algorithmus durchforsteten Computerprogramme Aufnahmen eines größeren Himmelssektors regelmäßig nach Supernova-Explosionen. In der Nähe einer Supernova fiel auch ein blasser Punkt auf, dessen Position sich schnell verschob. "Die einzigen Objekte, deren Position am Himmel sich innerhalb einer Nacht sichtbar verändert, liegen in unserem eigenen Sonnensystem", erläutert Lynne Jones, die ebenfalls an der Studie beteiligt war.

Nach den Berechnungen der Gruppe bewegt sich 2006 SQ372 auf einer extrem gestreckten Ellipse, die viermal so lang wie breit ist. Für einen Umlauf braucht der Komet etwa 22.500 Jahre. Damit entfernt er sich noch wesentlich weiter von der Sonne als Sedna, ein 2003 entdeckter Kleinplanet, der bislang als fernstes Mitglied des Sonnensystems galt. Sednas Bahn bewegt sich zwischen 76 und 900 Astronomischen Einheiten, wobei eine Astronomische Einheit 150 Millionen Kilometern entspricht, der Entfernung zwischen Erde und Sonne.

Wie Sedna, so ist auch 2006 SQ372 vermutlich ein Mitglied der sogenannten Oortschen Wolke ? einer kugelförmigen Kometenwolke, die das Sonnensystem vermutlich im Abstand von 300 bis 100.000 Astronomischen Einheiten umgibt. Astronomen nehmen an, dass ab und zu einige Eisbrocken aus diesem Reservoir durch die Schwerkraft vorbeiziehender Sterne gestört werden und sich auf eine Reise ins innere Sonnensystem begeben. Wenn sie bis zur Jupiterbahn oder noch weiter nach innen vordringen, beginnen sie zu verdampfen und leuchten als Kometen hell am Himmel auf.

2006 SQ372 hält sich jedoch permanent außerhalb der Bahn des Planeten Neptun auf und ist deshalb auch auf den Bildern des Sloan Digital Sky Survey kaum zu erkennen. Selbst an seinem fernsten Wendepunkt befindet er sich jedoch immer noch viel näher an der Sonne als der vermutete Schwerpunkt der Oortschen Wolke. "Die Existenz einer "inneren Oortschen Wolke" wird schon seit Jahren postuliert", berichtet Team-Mitglied Nathan Kaib. "2006 SQ372 und vielleicht auch Sedna sind die ersten Objekte, die womöglich von dort stammen. Es ist sehr aufregend, dass wir die Voraussagen jetzt verifizieren können."

Die Entdeckung des verhältnismäßig kleinen Eisklumpens war nur deswegen möglich, weil er sich gerade am sonnennächsten Punkt seiner Bahn befindet. Das Forscherteam rechnet damit, dass sich noch viele weitere Himmelskörper auf ähnlichen Bahnen in den Außenbezirken des Sonnensystems bewegen.
Mitteilung des Sloan Digital Sky Survey

Ute Kehse


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