Schwangere Panzerfische

 Nach der Geburt sind Kind und Elterntier noch für einen Moment über die Nabelschnur miteinander verbunden.
Nach der Geburt sind Kind und Elterntier noch für einen Moment über die Nabelschnur miteinander verbunden.
Fische haben schon vor mehr als 375 Millionen Jahren lebende Junge zur Welt gebracht. Das haben australische Wissenschaftler um den Paläontologen John Long vom Museum Victoria in Melbourne nachgewiesen: In dem versteinerten Skelett eines Panzerfisches fanden die Forscher Überreste eines Embryos, das durch eine Nabelschnur mit seinem Muttertier verbunden war. Die Fossilien des neu entdeckten Panzerfisches sind mindestens 200 Millionen Jahre älter als alle bislang bekannten Funde von schwangeren Wirbeltieren. Damit ist der Fisch namens Materpiscis attenboroughi der bislang älteste Beweis für Lebendgeburten, schreiben die Forscher um Long.
Die versteinerten Überreste von Materpiscis attenboroughi fanden die Wissenschaftler nahe des australischen Ortes Gogo Station, der für seine Fossilienfunde bekannt ist. Das etwas 25 Zentimeter große Skelett stammt aus der Zeit des Devons, das vor rund 416 Millionen Jahren begann und vor etwa 360 Millionen Jahren endete. Aufgrund der umgebenden Gesteinsschichten schätzen die Wissenschaftler das Alter des Panzerfischskeletts auf 375 bis 380 Millionen Jahre.

Die mittlerweile ausgestorbenen Panzerfische waren während des Devons weit verbreitet. Bislang waren Wissenschaftler davon ausgegangen, dass die Panzerfische zu den primitivsten Vertretern der Wirbeltiere zählen. Nach dem Fossilienfund muss diese Annahme allerdings neu überdacht werden, schreiben Long und seine Kollegen. Für die Forscher liefert der entdeckte Embryo Hinweise auf die komplexen Fortpflanzungsstrategien mancher Panzerfische ? so sieht Long in dem Fund den ältesten Beleg für eine Kopulation unter Wirbeltieren, denn nur so sei die für eine Lebendgeburt nötige Befruchtung zu bewerkstelligen.

Ein weiterer Fund aus der Region untermauert die These von den schwangeren Panzerfischen: In einem versteinerten Skelett der Panzerfischart Austroptyctodus gardineri, das ebenfalls aus dem Devon stammt, fanden die Forscher um Long Überreste von kleineren Fischen. Weil die Forscher auch hier Strukturen fanden, die an Nabelschnüre und Dottersäcke erinnern, gehen sie davon aus, dass Austroptyctodus gardineri nicht etwa kleinere Artgenossen gefressen hat, sondern ebenfalls schwanger war.
John Long (Museum Victoria, Melbourne) et al.: Nature, Bd. 453, S. 650

ddp/wissenschaft.de ? Markus Zens


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