Der Elefant aus dem Sumpf

 Das Moeritherium lebte vor 37 Millionen Jahren und hat mit den heutigen Elefanten einen gemeinsamen Vorfahren. Bild: Luci Betti-Nash, Stony Brook University
Das Moeritherium lebte vor 37 Millionen Jahren und hat mit den heutigen Elefanten einen gemeinsamen Vorfahren. Bild: Luci Betti-Nash, Stony Brook University
Die heutigen Elefanten und Seekühe hatten womöglich einen gemeinsamen Vorfahren, der im Wasser lebte. Zu diesem Schluss kommen Forscher um Alexander Liu von der Universität in Oxford bei der Untersuchung von Sauerstoffisotopen im Zahnschmelz zweier ausgestorbener Rüsseltierarten, die mit Elefanten gemeinsame Vorfahren haben: dem kleinen Moeritherium und dem Barytherium, das etwa so groß war wie heutige Elefanten. Diese Tiere lebten im späten Eozän vor etwa 37 Millionen Jahren. Die Zusammensetzung der Isotope in ihrem Zahnschmelz ähnelt dem von Wasserbewohnern. Somit könnte auch der gemeinsame Vorfahr von Seekühen und Elefanten teilweise im Wasser gelebt haben, etwa in der Nähe von Süßwasser, an Flüssen, Sümpfen oder Seen.
In ihren Messungen untersuchten die Wissenschaftler Sauerstoffisotope im Zahnschmelz der Tiere. Zahnschmelz ist sehr haltbar und daher besser für Untersuchungen geeignet als Knochenmaterial. Die Tiere bauen im Laufe ihres Lebens die Isotope aus dem Wasser und der Nahrung in ihren Körper und somit auch in ihren Zahnschmelz ein. Wenn Tiere auf dem Land gelebt haben, gibt es in den verschiedenen Schichten ihres Zahnschmelzes recht unterschiedliche Isotopenverhältnisse, denn die Spannweite von Sauerstoffisotopen ist an Land größer als im Wasser. Dort tauschen Tiere vor allem über die Haut Wasser aus. Im Wasser lebende Tiere nutzen im Laufe ihres Lebens nur eine oder wenige Wasserquellen, so dass die Isotope in ihrem Zahnschmelz weniger stark voneinander abweichen.

Die Zusammensetzung der Isotope im Zahnschmelz der beiden Tierarten belegt, dass sie ganz oder teilweise im Wasser lebten, berichten die Wissenschaftler. Zudem wurden die Überreste der Tiere in Sedimentschichten gefunden, die zu Lebzeiten der Tiere zu einer Flusslandschaft gehört hatten. Auch die Form der Backenzähne weise darauf hin, dass Moeritherium und Barytherium sich größtenteils von Süßwasserpflanzen ernährt haben, argumentieren die Forscher.

Die beiden untersuchten ausgestorbenen Tierarten sind mit Elefanten und Seekühen verwandt, sahen jedoch ganz anders aus. Moeritherium war klein, etwa so groß wie ein heutiger Tapir und besaß anstelle eines Rüssels eine Oberlippe, mit der er greifen konnte. Über Barytherium ist weniger bekannt. Überreste dieses Tieres wurden in Ägypten gefunden ? es hatte annähernd die Größe eines heutigen Asiatischen Elefanten.

Schon früher hatten Forscher die Vermutung aufgestellt, dass Seekühe und Rüsseltiere, zu denen die heutigen Elefanten und die ausgestorbenen Tierarten Moeritherium und Barytherium gehören, einen gemeinsamen Vorfahren hatten, der im Wasser lebte. Die Ergebnisse von Liu und seinen Kollegen unterstützen nun diese These.
Alexander Liu (Universität in Oxford) et al.: PNAS, Bd. 105, S. 5786

ddp/wissenschaft.de ? Michael Böddeker


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