Dunkle Wolken im Supertreibhaus

Eine verminderte Wolkenbildung könnte für die Supertreibhausperioden verantwortlich gewesen sein, die unter anderem zur Zeit der Dinosaurier das Klima auf der Erde bestimmten. Das sagen amerikanische Forscher nach Simulationen, in denen sie das Klima in der Kreidezeit vor 145 bis 65 Millionen Jahren und im Eozän vor 56 bis 34 Millionen Jahren berechneten. Laut ihrem Modell waren die Wolken seltener und weniger hell, da es weniger Kondensationskeime gab ? kleine Partikel, an denen Wasser in der Atmosphäre kondensieren und Wolken bilden kann. Dieser Mangel an Kondensationskeimen könnte durch ein geringeres Pflanzenwachstum in dieser Zeit hervorgerufen worden sein, vermuten die Forscher.
In den Supertreibhausperioden der Kreidezeit und des Eozäns stiegen die Temperaturen am Äquator auf etwa 37 Grad Celsius und auf zehn Grad Celsius an den Polen an. Mit den bisherigen Klimamodellen konnten diese hohen Temperaturen nicht erklärt werden. Manche Forscher hatten zur Erklärung einen starken Anstieg der Konzentration von Treibhausgasen wie Kohlendioxid oder Methan angeführt. Allerdings gibt es für einen derart starken Anstieg bislang keine Hinweise.

Das neue Modell der Forscher basiert auf der Annahme, es habe weniger Kondensationskeime gegeben. Während in der heutigen Welt vor allem der Mensch durch die Luftverschmutzung Schwebeteilchen produziert, die als Kondensationskeime wirken, waren für die Kondensation früher vor allem Gase verantwortlich, die bei biologischen Prozessen entstanden. In der Kreidezeit war die biologische Aktivität geringer, so dass weniger Gas und damit weniger Kondensationskeime entstanden, erklären die Forscher. Dadurch gab es insgesamt weniger Wolken. Außerdem waren die Wolken weniger hell, da die Wassertröpfchen in den Wolken größer werden, wenn es nur wenige Kondensationskeime gibt.

Durch diese beiden Änderungen ? weniger und dunklere Wolken ? wurde die Sonnenstrahlung nicht mehr so stark zurück in den Weltraum reflektiert, und die Temperaturen auf der Erde stiegen an. In ihrem Modell reduzierten die Wissenschaftler die Wolkendecke der Erde von etwa 64 Prozent auf 55 Prozent, wodurch der gesuchte Wärmeanstieg der Supertreibhausperioden entstand.
Lee Kump und David Pollard (Penn State University, University Park): Science, Bd. 320, S. 195

ddp/wissenschaft.de ? Michael Böddeker


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