Des Hamsters wahrer Biorhythmus

 Goldhamster sind in Gefangenschaft nachtaktiv.
Goldhamster sind in Gefangenschaft nachtaktiv.
Als Labor- und Haustiere sind Goldhamster nachtaktiv, unter natürlichen Bedingungen dagegen tagaktiv. Das haben Forscher um Rolf Gattermann von der Martin-Luther-Universität in Halle-Wittenberg beobachtet. Der Tagesrhythmus wird bei den Nagetieren auf komplexe Weise durch Umwelteinflüsse reguliert, berichten die Wissenschaftler. Sie stellen daher infrage, ob die unter Laborbedingungen dokumentierten Tagesrhythmen im natürlichen Lebensraum überhaupt auftreten.
Die Forscher untersuchten die Aktivität von Goldhamstern in der südlichen Türkei und damit erstmals in einer natürlichen Umgebung. Bei ihren Studien überwachten sie die Aktivität von Goldhamsterweibchen mit unter die Haut implantierten Transpondern. Die Tiere waren ausschließlich während der Tageslichtstunden aktiv, wobei die größte Aktivität von 6 bis 8 Uhr und von 16 bis 19.30 Uhr auftrat, beobachteten die Wissenschaftler.

Während dieser aktiven Phasen waren die Tiere vor allem auf Nahrungssuche. In der dazwischenliegenden Mittagszeit wie auch in der Nacht fand fast keine Aktivität statt. Die Forscher vermuten, dass die Tiere diese Strategie anwenden, um nachtaktive Fressfeinde sowie hohe Temperaturen zur Mittagszeit zu vermeiden. Der Tagesrhythmus der freilebenden Goldhamster unterscheidet sich somit stark von dem der Labortiere, die zu 80 Prozent in der Nacht aktiv sind. Die Forscher schlagen daher vor, Versuchstiere auch unter natürlichen Bedingungen zu untersuchen.

Die meisten Tiere sind über einen Zeitraum von 24 Stunden periodisch aktiv, wobei die Aktivität mit dem Tageslichtzyklus zusammenhängt. Gesteuert wird dieser Rhythmus durch ein Zusammenspiel biochemischer und neuronaler Vorgänge und durch Einflüsse der Umwelt. Bei der Erforschung dieser Zyklen von Säugetieren wird oft der Goldhamster als Modellorganismus verwendet, da sein Rhythmus sehr konstant ist.
Rolf Gattermann (Martin-Luther-Universität) et al.: Biology Letters, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2008.0066

ddp/wissenschaft.de ? Michael Böddeker


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