Schminke für die Neandertaler

 Hermann Schaaffhausen, der 1857 den Originalfund aus dem Neandertal untersuchte, stellte sich den entfernten Verwandten des Menschen noch so vor. Bild: Hermann Schaaffhausen (
Hermann Schaaffhausen, der 1857 den Originalfund aus dem Neandertal untersuchte, stellte sich den entfernten Verwandten des Menschen noch so vor. Bild: Hermann Schaaffhausen ("Der Neanderthaler Fund", 1888)
Neandertaler benutzten schon eine Art Kosmetik, um ihren hellhäutigen Körper zu bemalen. Darauf deuten pigmenthaltige Materialien hin, die der französische Forscher Francesco d'Errico von der Universität Bordeaux in Siedlungsbereichen von Neandertalern gefunden hat. Die Pigmentklumpen sind wie Stifte geformt, deren Spitze schwarze Linien auf der Haut gezogen haben muss, erklärt der Forscher. Wenn der Neandertaler mit dem Make-Up über eine Symbolsprache verfügt hat, dann liege es nahe, dass er auch richtig sprechen konnte, glaubt der Forscher.
d'Errico hat zusammen mit Marie Soressi vom französischen Archäologieinstitut Inrap in Amiens hunderte schwarze Manganpigmentstücke in zwei Ausgrabungsorten im französischen Pech de l'Azé gefunden. "Die Klumpen sind typischerweise fünf Zentimeter lang und einen Zentimeter breit", sagt die Wissenschaftlerin, die bisher am Max-Planck-Institut für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig forschte, gegenüber wissenschaft.de. Damit haben sie die Form von Stiften, mit denen der Neandertaler Linien ziehen konnte. Dass er diese Linien auf der Haut gezogen haben muss, haben d'Errico und Soressi mit einem Experiment nachgewiesen. Sie besorgten sich frische Pigmentstücke und zogen damit Linien auf Stein, Holz und Haut. Die Abriebstellen der Pigmentstücke untersuchten sie dann unter dem Mikroskop. "Der Abrieb bei Haut war wie bei den Fundstücken", erklärt Soressi.

Ihr Kollege stellt nun die These auf, dass Neandertaler auf eine rudimentäre Weise sprechen konnten, wenn sie bereits mit dem Make-Up über eine Symbolsprache verfügten. Denn um ihre Körperbemalung an andere Neandertaler weiterzugeben, müssten sie Technik und Bedeutung der Symbole erklären. Und das ginge nur über die Sprache, meint d'Errico. Seine Kollegin Soressi ist da vorsichtiger: "Waren das denn richtige Symbole?", fragt sie. "Wir wissen nicht, was die Neandertaler gemalt haben." Bekannt ist bislang, dass der Neandertaler über die genetischen Voraussetzungen zum Sprechen verfügte. Ob und wie er sich artikulieren konnte, ist indes unter Forschern umstritten.
New Scientist, Onlinedienst

ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer


Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Abonnement abschließen

und Vorteile genießen

weiter

Rubriken

Der Buchtipp


Richard Dawkins ist ein leidenschaftlicher Verfechter der Wissenschaft, der sich selbst als "militanten Atheisten" bezeichnet. In seiner Autobiografie lässt er sein Leben Revue passieren - geistreich und kurzweilig, aber bisweilen auch ausschweifend und redundant.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe