Durchbruch: Forscher klonen menschlichen Embryo

Einem amerikanischen Wissenschaftlerteam ist es gelungen, einen menschlichen Embryo aus einer entkernten Eizelle und dem Erbgut einer spezialisierten Hautzelle zu erzeugen. Insgesamt seien dazu lediglich 29 Eizellen von drei jungen Frauen benötigt worden, schreiben die Forscher. Dass der Embryo tatsächlich geklont war, belegen sie mit Hilfe von Analysen der Erbsubstanz in Kern und Mitochondrien der embryonalen Zellen, deren Wachstum sie nach wenigen Tagen stoppten. Allerdings gelang es den Wissenschaftlern nicht, aus dem künstlich erzeugten Embryo die begehrten embryonalen Stammzellen zu gewinnen. Diese unspezialisierten Zellen sind die Grundlage für die Erzeugung maßgeschneiderten Ersatzgewebes, das sich Wissenschaftler vom therapeutischen Klonen erhoffen.
Im Gegensatz zu vielen früheren Versuchen seien diesmal die Eizellenspenderinnen mit 20 bis 24 Jahren sehr jung und gesund gewesen, schreiben Andrew French und sein Team. Zudem verwendeten die Wissenschaftler die Eizellen bereits ein bis zwei Stunden nach der Entnahme, was ihre Qualität deutlich erhöht habe. Die eingesetzte DNA stammte aus zwei Zelllinien männlicher Hautzellen, die bereits seit längerer Zeit im Labor kultiviert wurden. Insgesamt entstanden auf diese Weise fünf Embryonen, die sich bis zum sogenannten Blastozystenstadium entwickelten, ein frühes Entwicklungsstadium, in dem die Embryonen aus weniger als hundert Zellen bestehen.

Wie die Erbgutanalyse zeigte, war einer dieser Embryonen genetisch vollkommen identisch mit den Hautzellen und damit ein echter Klon. Zwei weitere besaßen in ihren Zellkernen ebenfalls das Erbgut der Hautzellen. Bei diesen beiden Blastozysten sei es jedoch nicht möglich gewesen, die Mitochondrien zu untersuchen.

Mit diesen Ergebnissen rückt ein Erfolg beim therapeutischen Klonen wieder etwas näher. Diese Methode soll es ermöglichen, für jeden Menschen maßgeschneiderte embryonale Stammzellen herzustellen, aus denen dann wiederum Ersatzgewebe für erkrankte Organe gewonnen werden könnte. Aktuell arbeiten French und seine Kollegen daran, derartige Stammzellen aus mit ihrer jetzt vorgestellten Technik erzeugten Embryonen zu isolierten.

Schon einmal, im Jahr 2004, hatten Wissenschaftler geglaubt, dabei kurz vor dem Durchbruch zu stehen: Damals vermeldete der südkoreanische Wissenschaftler Woo-Suk Hwang die Erzeugung eben solcher Stammzellen aus geklonten Embryonen. Hwangs Ergebnisse erwiesen sich jedoch bereits kurz danach als vollständig gefälscht.
Andrew French (Stemagen Corporation, La Jolla) et al.: Stem Cells, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1634/stemcells.2007-0252

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel


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