Trocken durch Gentherapie

Forscher wollen Alkoholismus in Zukunft mit einer Gentherapie behandeln. Einen Ansatz lieferten nun Laborversuche mit Ratten, bei denen die Wissenschaftler ein Gen abschalteten, das für den Alkoholabbau zuständig ist. Die auf die Droge trainierten Tiere reduzierten nach einer solchen Behandlung drastisch ihren Alkoholkonsum. Die Gentherapie hat bei den Betroffenen eine ähnliche Wirkung wie ein genetischer Defekt bei vielen Menschen asiatischer Herkunft, die Alkohol nicht richtig abbauen können.
Menschen, bei denen der natürliche Abbau von Alkohol nicht funktioniert, reagieren mit Übelkeit und Herzrasen auf Alkohol. Das machten sich die Wissenschaftler in ihren Laborversuchen zunutze. Sie trainierten den Ratten zunächst eine Alkoholabhängigkeit an, worauf die Tiere in der zweimonatigen Untersuchungsphase einen unbegrenzten Zugang zu Alkohol erhielten. In der eigentlichen Gentherapie injizierten die Forscher den Tieren spezielle Gensequenzen ins Blut. Diese blockieren das Gen, das für die Produktion eines Enzyms namens Aldehyd-Dehydrogenase zuständig ist. Dieser Hilfsstoff ist für den Abbau von Alkoholprodukten erforderlich und ist auch bei den Menschen mit dem Gendefekt nicht aktiv. Die auf diese Weise veränderten Tiere nahmen nach einer einmaligen Behandlung nur noch die Hälfte an Alkohol zu sich ? ein Effekt, der mehrere Wochen lang anhielt, wie die Forscher beobachteten.

Die Ergebnisse des Versuchs seien allerdings noch nicht ohne weiteres auf den Menschen übertragbar, schränkt Israel ein. Die genauen Wirkmechanismen seien noch ungeklärt, beispielsweise, ob die Methode auch bei seltenerer Verabreichung funktioniert oder ob die eingebrachte Gensequenz bis ins Gehirn wandert. Auch ist noch fraglich, wann eine solche Gentherapie als mögliches Mittel gegen Alkoholismus eingesetzt werden könnte: ob eher früh in Phasen starken Trinkens oder später, wenn bereits von Abhängigkeit gesprochen werden kann.
Yedy Israel (Universität in Santiago de Chile) et al.: Alcoholism: Clinical and Experimental Research, Band 32, S. 1

ddp/wissenschaft.de ? Christina Taraschewski


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