Mit Hörtraining gegen Legasthenie

Ein Hörtraining kann Legasthenikern beim Umgang mit Sprache helfen: Es verändert die Gehirnaktivität so, dass die Betroffenen Sprache besser verstehen können, haben amerikanische Forscher in einer Studie mit legasthenischen Kindern gezeigt. Während die Gehirne der Kinder vor dem Training auf schnelle Tonfolgen verzögert reagierten, war die Aktivierung nach dem Training vergleichbar mit der bei Kindern ohne die Lese-Rechtschreib-Schwäche. Übungen mit Tönen können also die Verdrahtungen im Gehirn verändern und dadurch die Sprachverarbeitung bei Kindern mit Legasthenie verbessern, folgern die Forscher.
Die Wissenschaftler erfassten die Gehirnaktivität von neun- bis zwölfjährigen Kindern, während diese zwei verschiedene Tonfolgen hörten: eine mit langsam wechselnden und eine mit schnell wechselnden Tonhöhen. Bei den Tönen handelte es sich nicht um Sprache, aber um Tonmuster, die ähnlich auch in der gesprochenen Sprache vorkommen. Bei gesunden Kindern reagierte das Gehirn stärker auf die schnellen Tonfolgen als auf die langsamen: Hier waren insgesamt elf Gehirnregionen deutlich aktiviert. Bei Kindern mit Legasthenie war dieses Aktivierungsmuster dagegen nicht zu beobachten. Stattdessen verarbeiteten sie die schnellen Tonfolgen fast genauso wie die langsamen.

"Dieses Muster ist ganz offensichtlich falsch", sagt Studienautorin Nadine Gaab von der Kinderklinik in Boston. "Aber um Sprache zu verstehen und später Buchstaben oder Silben richtig zu schreiben, müssen die Kinder schnelle Tonwechsel richtig erkennen können". Um diese Verarbeitung zu verbessern, trainierten Gaab und ihre Kollegen die legasthenischen Kinder acht Wochen täglich mit Hilfe eines Computerprogramms. Dabei hörten die Kinder zuerst langsame Tonfolgen, später wurden diese schneller und komplexer und umfassten auch Silben, Wörter und Sätze. Nach dem Training wurde die Gehirnaktivität der Kinder erneut gemessen.

Tatsächlich reagierten die Gehirne der Kinder mit der Lese-Rechtschreib-Schwäche nach dem Training auf die schnellen Tonfolgen ähnlich wie die gesunder Kinder. Außerdem verbesserte sich auch die Lesefähigkeit der Kinder. Die neue Methode könnte es Forschern eines Tages erlauben, Legasthenie frühzeitig zu erkennen, meint Gaab. Mithilfe der Gehirn-Daten könnte die Schwäche schon erkannt werden, bevor die Kinder anfangen zu lesen. Ob allerdings alle Legastheniker von einem solchen Training profitieren, können die Forscher noch nicht sagen.
Nadine Gaab (Kinderklinik in Boston) et al.: Restorative Neurology and Neuroscience, Band 25, Seite 295

ddp/wissenschaft.de ? Christine Amrhein


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