Keine Ruhe nach dem Beben

 Mit GPS-Stationen wie dieser misst Tony Lowry Verschiebungen der Erdkruste zentimetergenau.(c) Donna Barry
Mit GPS-Stationen wie dieser misst Tony Lowry Verschiebungen der Erdkruste zentimetergenau.(c) Donna Barry
Seit dem verheerenden Erdbeben vom 26. Dezember 2004 haben sich Teile der Andamanen-Inseln um bis zu 30 Zentimeter angehoben. Amerikanische Forscher um Tony Lowry, die drei Wochen nach der Tsunami-Katastrophe mit GPS-Messungen auf der entlegenen Inselgruppe begannen, registrierten außerdem erhebliche seitliche Verschiebungen der Erdkruste.
Noch nie habe man nach einem Erdbeben so große Verschiebungen gemessen, berichten die Forscher. Sie installierten insgesamt elf Messgeräte auf den Andamanen-Inseln, die dort zwei Jahre lang in Betrieb blieben. Bereits während des Erdbebens verschob sich die Erdkruste auf den Andamanen spürbar: Es wurde ein seitlicher Versatz um bis zu drei Meter registriert, horizontal hoben und senkten sich einzelne Orte um bis zu einen Meter.

Nun rätseln die Forscher darüber, was nach dem Beben unter der Erdoberfläche vor sich ging. "Bislang hat man immer angenommen, dass solche Deformationen durch Gesteinsbewegungen tief in der Erde verursacht werden, die durch die Spannungsänderungen nach einem Erdbeben hervorgerufen werden. Manchmal bewegt sich aber auch Gestein im gleichen Teil der Störung weiter, das sich durch das Erdbeben schon verschoben hat", erläutert Lowry. Im Fall der derzeitigen Bodenbewegungen auf den Andamanen nehmen er und seine Kollegen an, dass es sich um ein sogenanntes "stilles Erdbeben" handelt: Dabei glitten die tektonischen Platten unterhalb der Tiefe, in der die Störung während des Megabebens 2004 brach, ohne messbare Erschütterung entlang der Störungszone langsam weiter.

Stille Erdbeben sind bislang nur von solchen Plattengrenzen bekannt, an denen eine Platte unter die andere abtaucht, wie zum Beispiel vor Japan oder an der Westküste der USA und Kanadas. An diesem Plattengrenzentyp, zu dem auch die Störungszone vor Sumatra gehört, ereignen sich aber auch die stärksten bekannten Erdbeben. Noch ist nicht bekannt, wie stille Erdbeben und die gefürchteten Megabeben zusammenhängen. "Mit Hilfe unserer Daten werden wir hoffentlich bald besser verstehen, was die Riesenbeben auslöst und wie oft sie wiederkehren", sagt Lowry.
Tony Lowry (Utah State University, Logan) et al.: Geophysical Research Letters Bd. 34, L19309, doi:10.1029/2007GL031024

Ute Kehse


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