"Hobbits" waren nur entfernte Verwandte

Die kleinen Hominiden, die bis vor einigen tausend Jahren auf der indonesischen Insel Flores lebten, waren urtümliche Vormenschen und keine modernen Menschen mit krankhaft verkleinertem Gehirn. Das berichtet ein Forscherteam um Matthew Trocheri von der Smithsonian Institution in Washington. Die Forscher untersuchten drei Handgelenksknochen des am besten erhaltenen Exemplars des "Homo floresiensis".
Vor vier Jahren hatte ein australisches Forscherteam die Überreste mehrerer menschlicher Skelette in der Höhle Liang Bua auf Flores gefunden. Die Entdecker ordneten die Knochen einer neuen Art zu, dem Homo floresiensis, Spitzname "Flo". Er war nur wenig mehr als einen Meter groß und besaß ein Gehirn von der Größe eines Schimpansen. Wahrscheinlich siedelten sich die Urmenschen vor 800.000 Jahren auf Flores an, wie Funde einfacher Steinwerkzeuge belegen. Auf der relativ kleinen Insel schrumpften sie, wie auch andere Säugetierarten, im Laufe der Jahrtausende auf Zwerg-Format. Die jüngsten Hobbit-Knochen sind 12.000 Jahre alt

Kurz nach dem Fund argumentierte ein zweites Forscherteam, Flo und ihre Verwandten seien keine eigene Art gewesen, sondern moderne Menschen mit einer Erbkrankheit namens Mikrozephalie ? einem krankhaft verkleinerten Gehirn. Die daraufhin einsetzende Diskussion konzentrierte sich vor allem auf die Schädelform der Zwerge.

Nun untersuchten Trocheri und seine Kollegen erstmals das Handgelenk genauer. Sie stellten dabei fest, dass die drei Knochen an der Handwurzel beim Homo floresiensis einem primitiven Entwicklungsstadium entsprechen: Sie gleichen denen von Gorillas, Schimpansen und Orang Utans. Auch der Vormensch Australopithecus und der erste Vertreter der menschlichen Gattung, der Homo habilis, besaßen noch diese urtümliche Anatomie. Bei modernen Menschen und Neandertalern hatte sich das Handgelenk dagegen weiterentwickelt, vermutlich eine Anpassung an die Benutzung von Werkzeugen. Das älteste menschliche Fossil, das die moderne Form aufweist, ist 800.000 Jahre alt.

"Die Hobbit-Knochen sehen völlig anders aus als die Handgelenke von modernen Menschen oder Neandertalern, sie sehen ihnen nicht einmal ähnlich", sagt Mattew Trocheri, ein Paläoanthropologe, der sich auf die Entwicklung des menschlichen Handgelenks spezialisiert hat. Das Team untersuchte die Hobbit-Knochen mit modernsten 3D-Laser-Methoden, um Unterschiede genau bestimmen zu können. Trocheri und seine Kollegen schließen aus, dass es sich um eine Wachstumsstörung handelt, da sich die Form der fraglichen Knochen schon sehr früh der Schwangerschaft ausbildet. Der Homo floresiensis sei tatsächlich eine eigene Art, wie es die Entdecker der Knochen ursprünglich annahmen.

Ihre Studie bestätige außerdem die Theorie, dass bereits Vormenschen mit primitivem Handgelenk in der Lage waren, einfache Steinwerkzeuge zu benutzen, schreiben die Forscher. Ob der bereits recht menschenähnliche Frühmensch Homo erectus, der als Vorfahre der Hobbits in Betracht kommt, ebenfalls schon ein modernes Handgelenk besaß, ist unklar. Bislang sind keine Hand-Knochen der ansonsten weit verbreiteten Art gefunden worden.
Matthew Trocheri (Smithsonian Institution, Washingto D.C:) et al.: Science, Bd. 317, S. 1743

Ute Kehse


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