Eine Stadt aus vielen Dörfern

 Die Überreste früherer Menschen zeigen den Forschern, wie die Stadtentwicklung in Tell Brak abgelaufen ist. Bild: Jason Ur
Die Überreste früherer Menschen zeigen den Forschern, wie die Stadtentwicklung in Tell Brak abgelaufen ist. Bild: Jason Ur
Die ersten Großstädte der Menschheit entstanden in Mesopotamien durch das Zusammenwachsen einzelner kleiner Siedlungen. Das sagen amerikanische Archäologen und widersprechen damit der gängigen Vorstellung, dass damalige Städte immer von einem zentralen Punkt nach außen hin größer und von einer zentralen politischen Regierung gelenkt wurden. Ihre Annahme stützen die Forscher auf Untersuchungen in Tell Brak, einer Ausgrabungsstätte im Nordosten Syriens.
Tell Brak, im früheren Nordmesopotamien gelegen, ist ein etwa vierzig Meter hoher und einen Kilometer langer Hügel. Die Wissenschaftler untersuchten die dort gefunden Tonwaren, bestimmten das Alter und empfanden anhand des Fundortes die Geschichte der Besiedelung des Ortes nach. Ungefähr viertausend Jahre vor Christus ließen sich nach ihren Ergebnissen die ersten Menschen in Tell Brak nieder. Sie verteilten sich auf sechs einzelne Siedlungen, dazwischen lagen große Flächen unbesiedelten Landes. In den nächsten tausend Jahren kamen immer mehr Menschen hinzu und füllten schließlich alle noch unbesiedelten Flecken.

Diese Art des Städtewachstums zeigt nach Ansicht der Forscher auch die sozialen Strukturen der damaligen Gesellschaft auf. Wahrscheinlich haben sich Einwanderer aus unterschiedlichen Kulturkreisen zunächst unabhängig voneinander in Tell Brak niedergelassen. Zwar war bereits zu dieser Zeit das Zentrum des Hügels besiedelt, es gibt jedoch keinen Hinweis darauf, dass sich hier eine zentrale politische Macht befand, die das Zusammenleben der Menschen steuerte. Die Besiedelung eines Ortes muss also nicht, wie bisher angenommen, immer einem zielgerichteten Plan gefolgt, sondern kann auch mehr oder weniger zufällig zustande gekommen sein. Diese Theorie lässt sich aber nicht ohne weiteres auf die Entwicklung anderer Städte übertragen. Vielmehr müssten noch weitere Modelle entwickelt werden, um die Entstehung anderer Städte zu erklären, so die Forscher.
Jason Ur (Harvard-Universität) et al.: Science, Band 317, Seite 1188

ddp/wissenschaft.de ? Anja Basters


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