Des Weines Kern

Italienische und französische Forscher haben das Genom der Weintraube entschlüsselt. Sie ist damit die erste fruchttragende Pflanze, deren DNA-Sequenz bekannt ist. Dabei entdeckten die Forscher einige Besonderheiten: Das Gen, das für die Produktion des wahrscheinlich gesundheitsfördernden Stoffes Resveratrol zuständig ist, liegt nicht nur einmal, sondern gleich mehrmals vor. Auch die Gene, die für den charakteristischen Weingeschmack verantwortlich sind, gibt es in mehrfacher Ausführung. Die Forscher erhoffen sich deshalb, die vielen verschiedenen Geschmacksvarianten von Wein auf Genomebene zurückführen zu können.
Die Stilbensynthase, ein Enzym, das in Weintrauben vorkommt, fördert die Bildung von Resveratrol, das als der gesundheitsfördernde Anteil des Weines gilt. Das Gen, das die Information für die Herstellung von Stilbensynthase trägt, liegt im Weintraubengenom gleich 43 Mal vor. Gleiches gilt auch für ein anderes Enzym: Das Gen für die Terpensynthase gibt es sogar 89 Mal. Terpene sind Aromastoffe, die dem Wein seinen charakteristischen Geschmack verleihen. Im Falle der Terpensynthase gibt es aber nicht 89 identische Kopien des einen Gens, sondern zahlreiche Varianten. Deshalb können auch viele verschiedene Aromastoffe hergestellt werden, die den Weinsorten ihren unterschiedlichen Geschmack verleihen.

Nicht nur wegen des Geschmacks ist das Weintraubengenom interessant. Der Vergleich mit anderen Genomen zeigt auch, mit welchen Pflanzen der Wein näher verwandt ist. Demnach setzt sich das Weintraubengenom aus drei Vorgängergenomen zusammen und der Wein ist mit der Pappel enger verwandt als mit dem Reis.

Doch ihre Ergebnisse könnten die Wissenschaftler auch auf ganz andere Weise nutzen. Die Kenntnis des Weintraubengenoms könnte dabei helfen, den Wein genetisch so zu verändern, dass er resistenter gegenüber Krankheitserregern wird, so die Forscher.
Patrick Wincker (Universität Evry) et al.: Nature, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/nature06148

ddp/wissenschaft.de ? Anja Basters


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