Was die Ohren über das Kindstodrisiko verraten

Ein Hörtest bei Neugeborenen könnte helfen, das Risiko für plötzlichen Kindstod vorherzusagen. Das vermuten amerikanische Forscher, die 31 unerklärliche Todesfälle von Säuglingen untersucht haben. Bei den betroffenen Kindern hatten Ärzte kurz nach der Geburt das Hörvermögen überprüft. Dabei schnitten alle schlechter ab als eine Vergleichsgruppe. Die Forscher um Daniel Rubens vermuten deshalb einen Zusammenhang zwischen den Haarzellen im Innenohr und der Atemkontrolle.
In den USA und auch in verschiedenen Teilen Deutschlands führen Kinderärzte bei jedem Neugeborenen ein so genanntes Hörscreening durch, bei dem die Säuglinge nicht mitwirken müssen. Die Ärzte testen lediglich die akustische Antwort des Innenohrs auf Klickgeräusche. Die amerikanischen Forscher verglichen in ihrer Studie jetzt die Testergebnisse der 31 Kinder, die innerhalb ihres ersten Lebensjahres plötzlich gestorben waren, mit denen von ebenso vielen gesunden Kindern, die älter als ein Jahr wurden. Bei der Überprüfung des rechten Ohres schnitten die betroffenen Babys jeweils um vier Punkte schlechter ab als die gesunden Kinder. Die Ergebnisse deuten daher auf einen Zusammenhang zwischen dem Innenohr und dem Risiko für plötzlichen Säuglingstod hin.

Im Innenohr befinden sich feine Härchen, die sowohl für das Gleichgewicht als auch für das Hören wichtig sind. Rubens vermutet, dass sie dem Gehirn Informationen über den Kohlendioxidgehalt im Blut liefern. Übersteigt dieser einen gewissen Schwellenwert, setzt der Atemreiz ein. Wenn die Haarzellen jedoch gestört sind, kann die Atemkontrolle nicht funktionieren, erklärt der Forscher. Bereits in früheren Studien hatten Wissenschaftler einen Zusammenhang zwischen der Atemregulierung und dem plötzlichen Kindstod entdeckt.

"Mit einem einfachen, routinemäßig durchgeführten Hörtest könnten Ärzte Risikokinder identifizieren und vorbeugende Maßnahmen gegen den plötzlichen Kindstod treffen", hofft Rubens und fordert weitergehende Studien. Zwar ist eine Reihe von Risikofaktoren für den unerwarteten Tod der Säuglinge bekannt, die Ursache ist aber noch nicht geklärt. Weltweit stirbt pro Jahr etwa eines von 1.000 Neugeborenen an plötzlichem Kindstod, Jungen sind dabei häufiger betroffen als Mädchen.


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