Rekord: Forscher beobachten hellste Supernova

 So könnte die Monster-Explosion ausgesehen haben: SN 2006gy strahlte drei Monate lang heller als alle bislang beobachteten Supernovae. Illustration: NASA/CXC/M.Weiss
So könnte die Monster-Explosion ausgesehen haben: SN 2006gy strahlte drei Monate lang heller als alle bislang beobachteten Supernovae. Illustration: NASA/CXC/M.Weiss
Eine sterbende Riesensonne im Sternbild Perseus erzeugt seit September 2006 ein gewaltiges Spektakel am Himmel: Die Supernova SN 2006gy setzte etwa hundertmal so viel Energie frei wie eine typische Sternenexplosion. Noch acht Monate nach ihrem ersten Aufflammen überstrahlte sie ihre Heimatgalaxie, die 240 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt ist. "So etwas haben wir noch nie gesehen", staunt Nathan Smith von der Universität von Kalifornien in Berkeley, der das beobachtende Forscherteam leitete.
Die Forscher nehmen an, dass ein ungewöhnlich großer Stern bei der Explosion in Stücke gerissen wurde. "Der Stern war etwa 150-mal so schwer wie die Sonne", berichtet Smith, "viel größer können Sterne nicht werden." Zur Überraschung der Forscher erreichte die Explosion ihren Höhepunkt erst nach siebzig Tagen und strahlte danach noch drei Monate lang heller als jede andere jemals beobachtete Supernova.

Die Forscher nehmen an, dass es sich bei dem Ereignis um einen bislang noch nie gesehenen Supernova-Typ handelt, der für das junge Universum typisch war. Damals existierten wahrscheinlich große Mengen superschwerer Sterne. Diese bis zu 250 Sonnenmassen schweren Giganten kollabieren Theorien zufolge, wenn die Gammastrahlung aus ihrem Inneren so stark wird, dass sie sich in Materie verwandelt. Dabei entstehen vor allem Paare von Elektronen und ihren Antiteilchen, den Positronen. Da die Gammastrahlung aus dem Sterneninneren der Gravitation der äußeren Schichten entgegenwirkt, kollabiert ein Stern, wenn der Strahlungsdruck nachlässt. Dann kommt es zu einer gewaltigen thermonuklearen Explosion. Anders als bei heute typischen Supernovae entsteht bei solch einer Monster-Atom-Explosion kein Schwarzes Loch. Stattdessen wird die gesamte Sternenmaterie ins All geschleudert.

Die schweren Elemente, die bei den Riesensupernovae im jungen Universum entstanden, bildeten die Saat für das Material, aus dem sich Planeten und später auch die Lebewesen auf der Erde bildeten. Nach Berechnungen der Forscher entstanden bei SN 2006gy allein zwanzig Sonnenmassen des Elements Nickel. "Es ist ein großer Unterschied für die Entwicklung des Weltalls, ob ein sterbender Stern viele neue Elemente im Universum versprüht oder ob er sie für immer in einem Schwarzen Loch einschließt", sagt Smith.

Die Forscher vermuten nun, dass dem Milchstraßenstern Eta Carinae, nur 7.500 Lichtjahre von der Erde entfernt, ein ähnliches Schicksal wie SN 2006gy bevorstehen könnte: Eta Carinae ist mit 120 Sonnenmassen einer der schwersten Sterne der Milchstraße und stößt, ähnlich wie der Vorläuferstern der Monster-Supernova, gewaltige Mengen Materie aus. "Wir wissen zwar nicht, ob Eta Carinae in naher Zukunft explodieren wird", sagt Mario Livio vom Space Telescope Science Institute in Baltimore. "Aber wenn es passiert, wird es die tollste Lichtshow, die die Menschheit je gesehen hat."
Nathan Smith (Universität von Kalifornien in Berkeley) et al.: Astrophysical Journal, in press

Ute Kehse


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