Freispruch für die Pflanzen

Ein niederländisches Forscherteam hat den guten Ruf der Pflanzen wiederhergestellt: Bäume, Blumen und Gräser setzen keine nennenswerten Mengen Methan frei, stellten die Forscher um um Tom Dueck in einem Experiment fest. Damit widerlegten sie eine Studie aus dem vergangenen Jahr, derzufolge Pflanzen bis zu dreißig Prozent zu den weltweiten Methanemissionen beitragen.
Die Studie von Frank Keppler vom Max-Planck-Institut für Kernphysik in Heidelberg erschien Anfang 2006 in der Zeitschrift "Nature" und hatte weltweit für Aufsehen gesorgt. Keppler und seine Kollegen hatten bei Experimenten festgestellt, dass Getreidepflanzen wie Roggen und Mais erhebliche Mengen des Treibhausgases Methan produzieren.

Methan, der einfachste Kohlenwasserstoff, wird gewöhnlich von Mikroben unter anaeroben Bedingungen erzeugt, zum Beispiel in Sümpfen, Kläranlagen oder Kuhmägen. Auch bei Verbrennungsprozessen entsteht das Gas, das die Erdatmosphäre pro Molekül wesentlich stärker aufheizt als Kohlendioxid, aber auch nur eine Lebensdauer von zwölf Jahren hat. Pflanzen wurden als Methanproduzenten vor der Keppler-Studie nicht in Betracht gezogen, allerdings schien diese neue Quelle einige Ungereimtheiten im globalen Methan-Budget erklären zu können.

Damit ist es nun vorbei: Das niederländische Forscherteam konnte die Ergebnisse von Keppler und seinen Kollegen nicht bestätigen. Die Forscher um Dueck ließen sechs Pflanzensorten, und zwar Mais, Weizen, Tomaten, Basilikum, Salbei und Nachtkerzen, im Gewächshaus mit einer besonderen Atmosphäre wachsen. Das Kohlendioxid, das die Pflanzen für die Photosynthese zur Verfügung hatten, enthielt ausschließlich schweren Kohlenstoff mit der Massenzahl 13. Falls die Pflanzen also bei ihrem Stoffwechsel Methan erzeugten, müsste das produzierte Gas ebenfalls den schweren Kohlenstoff enthalten.

Um das Methan nachzuweisen, benutzten Dueck und seine Kollegen ein äußerst empfindliches Verfahren, die so genannte photo-akustische Lasermethode. Sie stellten fest, dass die Pflanzen höchstens 0,3 Prozent der Methanmenge produzieren, die das Team um Keppler festgestellt hatte. Eine schlüssige Erklärung für die Diskrepanz haben Dueck und seine Kollegen nicht. Ihrer Meinung nach spielen Pflanzen als Methanproduzenten keine wichtige Rolle. Für die Lücke im globalen Methanbudget müssen daher andere Prozesse verantwortlich sein, schreiben sie.
Tom Dueck (Plant Research International, Wageningen) et al.: New Phytologist, Online-Vorabveröffentlichung,
DOI:10.1111/j.1469-8137.2007.02103.x


Ute Kehse


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