Helicobacters gute Seite

Der Magenkeim Helicobacter pylori kann das Risiko senken, während der Kindheit Allergien oder Asthma zu entwickeln. Zu diesem Fazit kommen amerikanische Mediziner nach der Auswertung einer Studie mit mehr als 7.000 Teilnehmern. Wie die Daten zeigten, waren bei den Probanden mit einem besonders aggressiven Stamm des Bakteriums im Magen im Kindeshalter nur etwa halb so häufig Asthmaerkrankungen oder Pollen- oder Schimmelpilzallergien aufgetreten wie bei denjenigen, die nicht mit dem Magenkeim infiziert waren. Nach Ansicht der Wissenschaftler ist dieser Zusammenhang ein weiterer Beleg für die so genannte Hygiene-Hypothese, nach der die verbesserten hygienischen Bedingungen in den Industrieländern das Immunsystem aus dem Gleichgewicht bringen und so Allergien und anderen Krankheiten Vorschub leisten.
Insgesamt 7.663 Erwachsene ließen sich für die Studie auf Helicobacter testen und beantworteten allgemeine Fragen zu ihrem Gesundheitszustand. Bei 2.385 der Probanden führten die Wissenschaftler zusätzlich noch einen Allergietest auf Pollen, Schimmelpilze und andere Allergene durch. Das Ergebnis: Die Wahrscheinlichkeit, dass bei den Teilnehmern schon im Alter von unter 15 Jahren Asthma aufgetreten war, lag in der Gruppe mit der aggressivsten Helicobater-Variante im Magen vierzig Prozent niedriger als in der Gruppe ohne Helicobacter-Infektion. Auch das Risiko für Allergien gegen Pollen und Schimmelpilze war in der Helicobacter-Gruppe deutlich geringer, entdeckten die Forscher.

Im Lauf der vergangenen Jahre hat sich die Zahl der mit Helicobacter infizierten Menschen in den Industrieländern immer weiter verringert, kommentiert Studienleiter Martin Blaser. Während sich in den Entwicklungsländern etwa neunzig Prozent der Kinder bei ihren Müttern oder Vätern anstecken, sind es in den westlichen Ländern nur noch um die zehn Prozent. Dass das Verschwinden des Magenkeims gesundheitliche Konsequenzen habe, sei dabei nicht überraschend, so der Wissenschaftler: Helicobacter lebe seit Zehntausenden von Jahren im menschlichen Magen und das Immunsystem habe im Lauf der Zeit gelernt, das Bakterium zu tolerieren. Fehlt nun plötzlich dieser Reiz, gerät das komplizierte Gleichgewicht der Körperabwehr aus der Balance, was Allergien und andere Autoimmunerkrankungen begünstige.

Blaser will den Zusammenhang nun in weiteren Studien belegen. Schon zuvor hatte er außerdem nachgewiesen, dass Helicobacter zwar das Risiko für Krebserkrankungen im unteren Magenbereich erhöht, es in der Speiseröhre und dem oberen Bereich des Magens jedoch verringert. Er mahnt daher, dass eine Eliminierung des Keims im Kindesalter nicht nur positive Auswirkungen hat und daher intensiv überdacht werden sollte.
Martin Blaser und Yu Chen (New York University): Archives of Internal Medicine, Bd. 167, S. 821

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel


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