Das Geheimnis des mysteriösen Voynich-Codes

 Das rätselhafte Voynich-Manuskript enthält vermutlich nur bedeutungsloses Geschwafel. Foto: Wikipedia
Das rätselhafte Voynich-Manuskript enthält vermutlich nur bedeutungsloses Geschwafel. Foto: Wikipedia
Eine der rätselhaftesten mittelalterlichen Handschriften ist wahrscheinlich das raffinierte Werk eines Schelms: Der österreichische Wissenschaftler Andreas Schinner bekräftigt nach einer Analyse des Texts die Vermutung, das in einer Geheimschrift verfasste Voynich-Manuskript enthalte lediglich bedeutungsloses Geschwafel. Wie er zeigte, unterliegt die Wortfolge im Manuskript einer gewissen Regelmäßigkeit und unterscheidet sich damit von in natürlichen Sprachen geschriebenen Texten. Die so genannte Schabernack-Hypothese würde erklären, warum es Kryptologen bisher nicht gelang, dem 250-seitigen Buch eine chiffrierte Botschaft zu entlocken.
Das Voynich-Manuskript ist nach dem amerikanischen Antiquar Wilfried Voynich benannt, der es 1912 in einem italienischen Jesuitenkolleg entdeckte und kaufte. Wahrscheinlich ist das Werk zwischen 1450 und 1520 entstanden, wie Experten aufgrund der Kleidung und des Haarschnitts von im Buch abgebildeten Menschen vermuten. Aufgrund seiner enorm komplexen Sprache hatten Wissenschaftler lange ausgeschlossen, dass es sich bei dem Manuskript lediglich um einen Nonsens-Text handelt. Vielmehr, so die These, müsse die unverständliche Sprache auf einen unbekannten Code zurückgehen.

Im Jahr 2003 demonstrierte jedoch der britische Psychologe und Computerwissenschaftler Gordon Rugg, dass die Voynich-Texte sehr wohl aus der Feder eines gewitzten Schelms stammen könnten: Er schuf mit einer auf eine Silbentabelle gelegten Schablone unverständliche Fantasietexte, die dem Voynich-Manuskript ähnlich waren. Diese Tabelle-und-Gitter-Methode war bereits im Mittelalter bekannt und wurde damals zum Verschlüsseln gebraucht.

Die neue Analyse durch den theoretischen Physiker Schinner stützt nun ebenfalls die Schabernack-Hypothese. Schinner verglich das geheimnisvolle Manuskript mit im Mittelalter gebräuchlichen lateinischen und deutschen Bibelübersetzungen. Wie sich dabei zeigte, ist etwa das Wort "und" beinahe zufällig in Luthers Bibelübersetzung verteilt, während im Voynich-Manuskript viele Wörter an bestimmten Stellen gehäuft vorkommen. Für Schinner handelt es sich beim Manuskript folglich nicht um die Umschrift einer natürlichen Sprache und ebenso wenig um einen verschlüsselten Text, weil beim Kodieren sprachliche Wechselbeziehungen eher verschwinden als entstehen.

Der Verfasser des Manuskripts ist nicht bekannt. Rugg verdächtigt jedoch den Mathematiker John Dee oder den Alchemisten und notorischen Fälscher Edward Kelley der Urheberschaft. Beide hatten sich im 16. Jahrhundert am Hof des Kaisers Rudolf II. von Habsburg aufgehalten, in dessen Besitz sich das in Pergament gebundene Manuskript später fand. Heute gehört es der Yale-Universität in New Haven.
Andreas Schinner (Johannes-Kepler-Universität, Linz): Cryptologia, Bd. 31, S. 95

ddp/wissenschaft.de ? Fabio Bergamin


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