Als Kohlenstoffbläschen vom Himmel fielen

Organische Substanzen könnten die Erde als kleine Kohlenstoffbläschen in Meteoriten erreicht haben. Die Moleküle könnten dann die entscheidenden chemischen und biologischen Prozesse angestoßen haben, die auf der Erde zu Leben führten. Diese These haben nun Forscher um Keiko Nakamura-Messenger von der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa untermauert. Sie untersuchten den im Jahr 2000 in Kanada eingeschlagenen Tagish-Lake-Meteoriten. In dessen Gesteinsfragmenten fanden sie als Einschlüsse kleinste Bläschen. Die Hülle dieser Hohlräume zeigte Spuren organischer Substanzen, so die Forscher.
Die Forscher schnitten aus Probenstücken des Tagish-Lake-Meteoriten hauchdünne Scheibchen. Darin fanden sie unter dem Elektronenmikroskop kleine Bläschen. Die Hohlräume waren etwa einen tausendstel Millimeter groß. Ihre Wandung wies eine Dicke von einem zehntausendstel Millimeter auf und bestand aus den chemischen Elementen Kohlenstoff, Sauerstoff und Stickstoff. Deren Verhältnis deutete darauf hin, dass das Material ehemals organische Moleküle enthielt. Diese waren allerdings im Verlauf der langen Meteoritenreise durch den Weltraum bereits zerfallen.

Die Forscher konnten sogar feststellen, woher der Meteorit gekommen sein muss. Dazu untersuchten sie das Verhältnis von Stickstoffatomen mit jeweils 14 oder 15 Neutronen im Atomkern, so genannte Isotope. Deren Verhältnis unterschied sich deutlich von irdischen Proben, stellten die Forscher fest. Gleiches traf auf das Verhältnis vom Wasserstoffisotop Deuterium zu Wasserstoff zu. Diese Isotopenverschiebung führen Forscher auf physikalische Prozesse zurück, wie sie nur knapp über dem absoluten Temperaturnullpunkt von minus 273 Grad Celsius stattfinden. Nur an zwei Stellen konnten solche Umgebungsbedingungen geherrscht haben: vor Jahrmilliarden, als sich unsere Sonne aus einer kalten Gaswolke bildete oder aus dem Rand der Materiescheibe, die anschließend zu unserem Planetensystem führte.

Die Forscher können damit ausschließen, dass die organischen Substanzen beispielsweise als Verunreinigung beim Auftreffen des Meteoriten auf der Erde in die Probe gelangt sind. Auch haben Witterungsprozesse den Meteoriten kaum verändert, da er bereits eine Woche nach seinem Einschlag gefunden wurde. Die Kohlenstoffbläschen in Meteoriten könnten daher die entscheidenden Substanzen für die Entstehung des Lebens auf die Erde gebracht haben.
New Scientist, Online-Dienst

Originalarbeit der Forscher: Keiko Nakamura-Messenger (Nasa) et al.: Science, Bd. 314, S. 1439

ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer


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