Evolution à la Wühlmaus

 (Foto: Andew DeWoody)
(Foto: Andew DeWoody)
Bei Wühlmäusen verlief die Evolution im Zeitraffer: Sie veränderten ihre Erbinformation schneller als jedes andere Säugetier und besitzen darüber hinaus einen bizarren Aufbau ihres Erbguts. Das haben Wissenschaftler mit genetischen Studien an den kleinen Nagern herausgefunden. Die Ergebnisse könnten auch zu einem besseren Verständnis der Erbinformation des Menschen führen, sagen die Forscher.
Die Forscher um Andrew DeWoody untersuchten sechzig Wühlmausarten der Gattung Microtus, die sich in einem Zeitraum von 500.000 bis zwei Millionen Jahren entwickelt haben. Die Bildung der neuen Arten verlief bei den Nagern damit sechzig- bis hundertmal schneller als bei anderen Wirbeltieren, sagen die Forscher. Zusätzlich besitzt das Erbgut der Nager höchst ungewöhnliche Eigenschaften: Innerhalb ihrer Gattung variiert die Chromosomenzahl von 17 bis 64. Das sei außerordentlich, sagt DeWoody, denn normalerweise haben Arten innerhalb einer Gattung die gleiche Anzahl Chromosomen. Bei einer speziellen Art haben sogar Männchen und Weibchen eine unterschiedliche Anzahl an Chromosomen, was ebenfalls ungewöhnlich ist.

Trotz der großen Unterschiede ihrer Erbinformation sehen sich alle Wühlmäuse sehr ähnlich, erklärt DeWoody. Manche Arten lassen sich nur über die Analyse ihres Erbguts unterscheiden. Die Wühlmäuse selber erkennen sich wohl am Geruch oder Verhalten, vermutet der Forscher, denn Kreuzungen zwischen den Arten konnten die Wissenschaftler nicht finden.

Die Grundlagen, die zu der großen genetischen Vielfalt bei den Wühlmäusen geführt haben, könnten wichtige Informationen für die Forschung an der Erbinformation des Menschen liefern, sagen die Wissenschaftler. So eigne sich die Wühlmaus auch besonders gut als Modellorganismus für die Erforschung von genetisch bedingten Krankheiten beim Menschen.
Mitteilung der Purdue University, West Lafayette

ddp/wissenschaft.de ? Martin Vieweg


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