Kein Schatten im Kosmos

Begann das Weltall wirklich mit einem riesigen Knall? Eine neue Studie der kosmischen Hintergrundstrahlung weckt Zweifel daran. Der Untersuchung von Richard Lieu von der Universität von Huntsville und seinen Kollegen zufolge verzerren große Galaxienhaufen die Hintergrundstrahlung nicht ? anders als es von der Urknalltheorie vorhergesagt wird.
Die kosmische Hintergrundstrahlung im Mikrowellenbereich erfüllt den gesamten Kosmos und gilt als Überbleibsel des Urknalls. Die russischen Forscher Rashid Sunyaev und Yakov Zel'dovich hatten schon 1969 vorhergesagt, dass Galaxienhaufen eine Art Schatten in der kosmischen Hintergrundstrahlung erzeugen sollten. In den Zentren solcher Galaxienhaufen befinden sich große Mengen freier Elektronen. Diese Teilchen, so die Überlegung der beiden Forscher, müssten die Hintergrundstrahlung ablenken, was als Schatten zu sehen sein sollte.

Die Forscher um Lieu benutzten jetzt erstmals das Weltraumteleskop Wilkinson Microwave Anisotropy Probe (WMAP), um nach den kosmischen Schatten zu suchen. Sie nahmen insgesamt 31 relativ nahe gelegene Galaxienhaufen unter die Lupe ? und entdeckten bei manchen einen Schatten, bei anderen nicht. Noch suchen die Forscher nach Erklärungen für das Phänomen: "Entweder entsteht die Strahlung nicht hinter den Clustern, was das Aus für die Urknall-Theorie bedeuten würde, oder die Galaxienhaufen strahlen selbst Mikrowellen ab", sagt Lieu. Ihm erscheint es allerdings unwahrscheinlich, dass alle fraglichen Galaxienhaufen gerade Mikrowellen genau der Frequenz und Intensität abstrahlen, wie sie auch die Hintergrundstrahlung hat.

Wie der Nachrichtendienst Space.com berichtet, waren die Schatten in der Hintergrundstrahlung in anderen, früheren Studien bereits nachgewiesen worden. Nun ist unter den Astronomen ein Streit darüber entbrannt, ob WMAP überhaupt geeignet ist, um den Effekt nachzuweisen. Lieu selbst ist Space.com zufolge noch nicht so weit, die Urknall-Theorie über den Haufen zu werfen.
Richard Lieu (Universität von Alabama in Huntsville) et al.: Astrophysical Journal, Bd. 648, Nr. 1, S. 176

Ute Kehse


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