Identität skurriler Panzer-Giganten bestimmt

Künstlerische Darstellung zweier Glyptodonten. Credit: Peter Schouten

Tonnenschwer, dick gepanzert und mit einer stacheligen Keule bewaffnet: Bis in die Eiszeit hinein stapften seltsame Giganten durch die Graslandschaften Süd- und Nordamerikas – die sogenannten Glyptodonten. Bisher war unklar, wie diese Wesen in den Stammbaum der Säugetiere einzuordnen sind. Nun ist es Forschern geglückt, Fossilien ihr Erbgut zu entlocken, um genetische Vergleiche durchführen zu können. Das Ergebnis bestätigte die bisherige Vermutung: Bei den Glyptodonten handelte es sich um monströse Gürteltiere.

Manche Vertreter wurden rund vier Meter lang, bis zu zwei Tonnen schwer und waren mit  seltsamer Anatomie ausgestattet. Die Merkmale von fossilen Funden der Glyptodonten faszinieren Forscher schon lange. Man ordnete sie bisher grob der Säugetiergruppe der sogenannten Xenarthra zu, zu denen die Ameisenbären, die Faultiere und auch die Gürteltiere gehören. Doch die ungewöhnlichen Merkmale der ausgestorbenen Panzer-Giganten machten bislang Aussagen zu genaueren Verwandtschaftsbeziehungen schwierig. Licht in das Mysterium konnte nun die relativ junge Technik der Analyse von fossiler DNA bringen, die in den letzten Jahren vor allem im Rahmen der genetischen Erforschung des Neandertalers bekannt geworden ist.

Fossile DNA deckt Verwandtschaftsbeziehungen auf

Für die Studie hat das internationale Forscherteam um Hendrik Poina von der McMaster University in Hamilton zunächst möglichst viele Proben von Überresten von Glyptodonten gesammelt. Bei einem fossilen Exemplar, das zur Untergruppe Doedicurus gehörte, glückte den Wissenschaftlern schließlich die Extraktion brauchbaren Erbguts. Bei Doedicurus handelte es sich idealerweise auch um die spektakulärste Sorte der Panzergiganten. Mit ihren enormen Ausmaßen und der stacheligen Schwanzkeule ähnelten sie den ebenfalls Keulen-bewehrten Ankylosauriern der Kreidezeit.

Durch die fossile DNA von Doedicurus war es den Forschern möglich, genetische Vergleich mit heute lebenden Tierarten durchzuführen. Es zeigte sich: Die nächsten heute noch existierenden Verwandten der Glyptodonten sind eindeutig die Gürteltiere. Mit ihnen sind sie sogar offenbar vergleichsweise nah verwandt, obwohl sich ihre Anatomie in einem Punkt besonders klar unterscheidet: Die Glyptodonten besaßen einen starren Schalen-Panzer, die Rüstung der Gürteltiere besteht hingegen aus flexiblen Bändern. Die Ergebnisse legen nahe, dass sich die Entwicklungslinien der Glyptodonten vor etwa 35 Millionen Jahren vom Rest des Gürteltierzweiges abspaltete, sagen die Forscher.

Relative schnell zu Giganten mutiert

Sie schätzen, dass der letzte gemeinsame Vorfahre noch etwa sechs Kilogramm wog. Während die Gürteltiere die relativ bescheidenen Ausmaße beibehielten, setzte bei den Glyptodonten eine enorme Größenzunahme ein. So avancierten sie letztlich zu eindrucksvollen Vertretern der eiszeitlichen Megafauna, zu denen beispielsweise auch die ausgestorbenen Vertreter der Rüsseltiere oder die Säbelzahnkatzen gehörten. Warum die wandelnden Burgen im Gegensatz zu ihren kleineren Verwandten ausstarben, bleibt nun allerdings weiterhin eine offene Frage. Was die Erforschung der Verwandtschaftsbeziehungen von mysteriösen Tieren angeht, wollen Poina und seine Kollegen jetzt weiter am Ball bleiben. Ihnen zufolge steht auf ihrer Agenda als nächstes die Analyse von fossiler DNA weiterer Vertreter der einstigen amerikanischen Megafauna: der Elefanten-große Riesenfaultiere.

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