Ozeane aus Sand

 Sanddünen auf Titan (Bild: NASA/Science)
Sanddünen auf Titan (Bild: NASA/Science)
Auf dem Saturnmond Titan gibt es große Wüstengebiete mit Sanddünen wie in der Sahara. Die Dünen sind bis zu 150 Meter hoch und viele hundert Kilometer lang. Das hat ein internationales Forscherteam beim Auswerten von Messdaten der Raumsonde Cassini herausgefunden. Die einzelnen Sandpartikel könnten aus Wassereis oder organischen Feststoffen bestehen und bis zu einem Drittel Millimeter groß sein.
Die Sandwüsten befinden sich genau in jenen dunklen Gebieten um den Titanäquator, wo Forscher noch vor kurzem Ozeane vermutet hatten. Damit ist endgültig geklärt, dass es dort keine Ozeane mit flüssigem Methan gibt. Größere Gebiete mit Feuchtigkeit würden außerdem den durch Wind bewegten Sand mit der Zeit aufsaugen, so dass er ganz von der Oberfläche verschwände. Aus der Struktur der Sanddünen, deren längste sich über 1.500 Kilometer hinzieht, können die Forscher auf die Windverhältnisse in der Titanatmosphäre schließen.

Aus den Messdaten der Cassini-Sonde und Computersimulationen haben die Forscher um Ralph Lorenz errechnet, dass eine Windgeschwindigkeit von durchschnittlich zwei Kilometern pro Stunde ausreicht, um die Dünenstruktur zu bilden. Dieser Windhauch kann die Sandkörner bewegen, da sie eine Konsistenz wie Kaffeepulver haben. Außerdem erleichtert die geringe Gravitation des Mondes das Wegblasen der Partikel. Insgesamt setzen sich die Oberflächenwinde auf dem Titan aus einem stetigen Ostwind und wechselhaften Luftbewegungen aufgrund der Gezeitenwirkung des Saturns zusammen. In Vergleich sind die Gezeitenkräfte auf Titan rund 400-mal größer als die des Erdmonds auf die Erde.

In weiteren Untersuchungen wollen die Forscher klären, wie der Sand entstanden ist. Eine Möglichkeit seien chemische Reaktionen in der Titanatmosphäre, welche die kleinen Partikel produzieren könnten, vermuten die Wissenschaftler. Auch könnten heftige Methan-Regenfälle zur Erosion der festen Titanoberfläche führen. Allerdings seien die Erkenntnisse über Wolkenbildung und Regen auf dem Saturnmond noch gering.
Ralph Lorenz ( Universität von Arizona, Tucson) et al.: Science, Bd. 312, S. 724

ddp/wissenschaft.de ? Martin Schäfer


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