Warum Alkohol vielleicht doch nicht so gesund ist

Die positiven gesundheitlichen Wirkungen von moderatem Alkoholkonsum wurden in der Vergangenheit möglicherweise stark überschätzt. Zu diesem Schluss kommt ein internationales Forscherteam nach einer Analyse von 54 früheren Studien zum Thema Alkoholkonsum und vorzeitiger Tod. Nach dieser Analyse gehen viele Studien von einer falschen Voraussetzung aus: Als Abstinenzler werden dort nämlich häufig auch diejenigen gewertet, die erst vor kurzem wegen Gesundheitsproblemen mit dem Trinken aufgehört haben. Wenn solche Studien eine höhere Todesrate für Abstinenzler ergeben, ist der Grund dafür nicht unbedingt eine positive gesundheitliche Wirkung des Alkohols, erklären die Forscher.
Der Glaube, dass leichter oder moderater Alkoholkonsum vor Herzkrankheiten schützt, ist weit verbreitet und wurde durch zahlreiche Studien gestützt. Allerdings gibt es auch immer wieder Zweifel an dieser Theorie, die ebenfalls durch Studienergebnisse belegt werden. Um diesen Zusammenhang genauer zu ergründen, untersuchte das Team unter Leitung von Wissenschaftlern von der Universität von Kalifornien in San Francisco nun 54 frühere Studien in einer Metaanalyse, einer Methode, die mithilfe von statistischen Methoden die Ergebnisse früherer Untersuchungen zusammenfasst und nach Übereinstimmungen sucht.

Demnach zeigte die Mehrheit der Untersuchungen einen Zusammenhang zwischen moderatem Trinken und Schutz vor vorzeitigem Tod ? allerdings waren das genau die Studien, die den Abstinenzler-Fehler gemacht hatten. Sieben Studien bezogen nur langfristige Nichttrinker in die Gruppe der Abstinenzler ein. Deren Resultate zeigten kein erhöhtes Risiko für Nichttrinker im Vergleich zu den moderaten Trinkern. "Wir wissen, dass ältere Leute mit leichtem Alkoholkonsum gewöhnlich gesünder sind als abstinente Gleichaltrige. Unsere Untersuchung weist darauf hin, dass leichtes Trinken ein Zeichen guter Gesundheit ist und nicht notwendigerweise der Grund dafür. Viele Leute reduzieren ihren Alkoholkonsum aus gesundheitlichen Gründen, wenn sie älter werden", erklärt Co-Autorin Kaye Fillmore.

Die neuen Erkenntnisse können allerdings mögliche positive Wirkungen von moderatem Alkoholkonsum nicht ausschließen, betonen die Forscher, da dafür zu wenige fehlerfreie Studien durchgeführt worden seien. Die positiven Wirkungen seien aber wahrscheinlich überschätzt worden. "Die weitverbreitete Überzeugung, dass moderates Trinken vor Herzkrankheiten schützt, hatte einen großen Einfluss auf medizinische Ratschläge von Ärzten an ihre Patienten. Diese Resultate zeigen, dass bei Ratschlägen an Abstinenzler zu moderatem Trinken Vorsicht geboten sein sollte", kommentiert Tim Stockwell von der Universität von Victoria.
Kaye M. Fillmore (Universität von Kalifornien, San Francisco) et al.: Addiction Research and Theory, Mai-Ausgabe

ddp/wissenschaft.de ? Andrea Boller


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