Sangeskunst mit Syntax

Die Gesänge von Buckelwalen sind ähnlich aufgebaut wie eine einfache menschliche Sprache: Einzelne Lauteinheiten werden zu Phrasen kombiniert, die dann wiederum zu den eigentlichen Gesängen verbunden werden. Das haben amerikanische Forscher mithilfe der so genannten Informationstheorie gezeigt, einer mathematischen Theorie, die sich mit der Übertragung und Verschlüsselung von Daten beschäftigt. Damit konnte erstmals die bereits Anfang der 1970er Jahre aufgestellte Vermutung bestätigt werden, dass Walgesänge eine hierarchische Struktur besitzen.
Etwa sechs Monate eines jeden Jahres geben männliche Buckelwale ihre Gesänge von sich, deren Lautfolge aus Stöhnen, Rufen und Zirpen als die komplexeste im gesamten Tierreich gilt. Welchem Zweck diese aufwändigen Lautäußerungen dienen und welche Informationen sie vermitteln, ist bislang allerdings weitgehend ungeklärt. Da die Wale ausschließlich während der Paarungszeit singen, vermuten Forscher, dass die Gesänge eine Rolle bei der Partnersuche spielen. Ob sie aber an die Weibchen gerichtet sind oder beispielsweise Rivalen vertreiben sollen, ist nicht bekannt.

Um Hinweise auf die in den Gesängen enthaltenen Informationen zu bekommen, untersuchten Ryuji Suzuki von der Universität von Massachusetts in Dartmouth und seine Kollegen den inneren Aufbau und die Struktur der Lautfolgen. Dazu entwickelten sie ein Computerprogramm, das vor Hawaii aufgezeichnete Walgesänge in einzelne Elemente zerlegte und jedem Element ein eigenes Symbol zuordnete. Der nun in die Symbole übersetzte Gesang wurde anschließend erneut analysiert, wobei die Forscher sich besonders für strukturelle Eigenschaften und die Komplexität des Aufbaus interessierten.

Tatsächlich ließ sich eine eindeutig hierarchische Struktur nachweisen, wie sie bislang nur von menschlichen Sprachen bekannt war, berichten die Forscher. Die Grundlage des Gesangs sind demnach einzelne Lautabschnitte, von denen es kurze und lange Varianten gibt. Diese Segmente werden zu Phrasen zusammengesetzt, die ständig wiederholt werden und so den eigentlichen Gesang bilden. Auch die Wiederholungen folgen dabei genau definierten Mustern: So besteht ein kürzerer Abschnitt typischerweise aus sechs und ein längerer aus 180 bis 400 Einheiten.

Es gelang den Forschern außerdem zu bestimmen, wie viel Information in einem Walgesang vermittelt werden kann: Pro Sekunde transportieren die Tiere weniger als ein Bit an Daten. Im Vergleich dazu vermittelt ein englischsprachiger Mensch pro Wort durchschnittlich etwa zehn Bit. Demnach handelt es sich bei den Gesängen trotz ihrer sprachähnlichen Struktur nicht um eine Sprache im engeren Sinn ? dazu fehlen ihnen einfach zu viele essenzielle linguistische Kennzeichen, lautet das Fazit der Forscher. Sie hoffen jedoch, dass ihre Analyse einmal helfen wird, die Bedeutung der Walgesänge zu entschlüsseln.
Ryuji Suzuki (Universität von Massachusetts, Dartmouth) et al.: Journal of the Acoustical Society of America, Bd. 119, S. 1849

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel


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