Umfrage: USA und Venezuela sind Weltmeister im Patriotismus

Bürger der USA und Venezuelas haben den weltweit größten Nationalstolz. Zu diesem Ergebnis kommen Soziologen des nationalen Meinungsforschungszentrums der Universität Chicago in einer globalen Studie zum Patriotismus. Bis auf die Österreicher identifizieren sich die meisten Europäer dagegen vergleichsweise wenig mit ihren Ländern. Deutschland bildet das Schlusslicht auf der Patriotismus-Skala.
Die Studie basiert auf zwei Umfragerunden, die Meinungsforscher einer internationalen Vereinigung durchführten: Mitte der neunziger Jahre gaben Bürger aus 23 Nationen Auskunft zu ihrem Nationalgefühl, in den Jahren 2003 und 2004 fand dann eine Neuauflage der Umfrage in 33 Ländern statt. Der Fragebogen konfrontierte die Teilnehmer mit allgemeinen Behauptungen wie "Ich würde lieber Bürger Deutschlands als irgendeines anderen Landes auf der Welt sein", zu denen sie ihren Grad der Zustimmung angeben sollten. Außerdem beurteilten die Leute spezielle nationale Errungenschaften aus Wissenschaft und Technik, die Aktivitäten ihrer Politiker und die sportlichen Erfolge ihrer Nation.

Auf einer Skala mit einem Maximum von 25 erreichten die Bürger Venezuelas den Top-Wert von 18.4, als es um ihren allgemeinen Nationalstolz ging. Auf Platz zwei folgten hier die US-Amerikaner mit 17.7 Punkten. Dicht dahinter platzierten sich Australien, Österreich, Südafrika, Kanada, Chile, Neuseeland und Israel. Ähnliche Resultate zeigten sich bei der Frage nach der Identifikation mit speziellen nationalen Erfolgen, denn hier punktete die USA vor Venezuela am stärksten. Danach reihten sich erneut Australien und Österreich ein.

Als Erklärung für den Patriotismus der Amerikaner und Venezolaner führen Tom Smith und Seokho Kim vom nationalen Meinungsforschungszentrum der Universität Chicago deren koloniale Vergangenheit an. In politischen Konflikten hätten diese relativ neuen Länder ihre nationale Identität entwickeln können. Beim Vergleich der Resultate aus den neunziger Jahren mit den aktuellen Ergebnissen zeigte sich außerdem, dass terroristische Anschläge in den USA und Australien das Nationalgefühl eher gestärkt haben.

Ganz unten auf der weltweiten Patriotismus-Skala befindet sich Deutschland, wobei sich die Menschen aus den neuen Bundesländern noch weniger stolz zeigten als die Westdeutschen. Wenig Nationalgefühl empfinden außerdem Letten, Schweden, Slowaken, Polen, Taiwaner, Franzosen und Schweizer. Möglicherweise identifizierten sich insbesondere junge Europäer genauso stark mit ihrem Kontinent wie mit ihrem eigenen Land, erklären Smith und Kim den schwächeren Nationalstolz in Europa. Außerdem sei Patriotismus in Ländern wie Deutschland aufgrund der Vergangenheit negativ besetzt.
Pressemitteilung der Universität Chicago
Tom Smith und Seokho Kim (Nationales Meinungsforschungszentrum, Universität von Chicago): International Journal of Public Opinion Research, Bd. 18, S. 127


ddp/wissenschaft.de ? Anna-Lena Gehrmann


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