Was Väter und Großväter ihren Nachkommen mitgeben

Männer beeinflussen durch ihren Lebensstil nicht nur ihre eigene Gesundheit, sondern auch die ihrer Söhne und sogar die ihrer Enkel. Darauf deuten nach Ansicht eines schwedisch-britischen Forscherteams die Ergebnisse zweier großer Studien hin. So haben Väter, die sehr früh mit dem Rauchen begonnen haben, überdurchschnittlich dicke Söhne, aber normalgewichtige Töchter. Auch eine Hungerperiode in der Jugend kann den männlichen Nachkommen einen Stempel aufdrücken: Die Enkel von Männern, die im Alter von etwa 10 Jahren hungerten, haben eine ungewöhnlich hohe Lebenserwartung. Einen solchen Effekt über mehrere Generationen kannten Wissenschaftler bislang nur aus der weiblichen Linie, berichtet das Wissenschaftsmagazin "New Scientist".
Marcus Pembrey vom University College in London und seine schwedischen Kollegen analysierten für ihre Untersuchung die Daten einer groß angelegten britischen Studie an Eltern und Kindern aus den 90er Jahren und historische Berichte aus einer abgelegenen schwedischen Region. In beiden Fällen fanden die Forscher einen Zusammenhang zwischen der Lebensweise eines Mannes vor seiner Pubertät und der Gesundheit seiner Nachkommen: Frühes Rauchen beeinflusste das Gewicht der Söhne und frühes Hungern die Lebensspanne der Enkel.

Dass der Lebensstil von Müttern und Großmüttern einen Einfluss auf ihre weiblichen Nachkommen haben kann, war bereits aus früheren Studien bekannt. Die neuen Ergebnisse seien jedoch der erste Hinweis auf eine Vererbung solcher Gesundheitseffekte über die männliche Linie, kommentieren die Forscher. Verantwortlich dafür sind ihrer Ansicht nach so genannte epigenetische Veränderungen des Erbguts: Im Lauf des Lebens werden an die Erbsubstanz verschiedene chemische Schalter und Kontrollmoleküle angelagert, die ganze Abschnitte dauerhaft aktivieren oder auch stilllegen können. Die Folgen dieser Veränderungen sind vielfältig und können von einer erhöhten Anfälligkeit für Krankheiten bis zum Ausbruch einer Krebserkrankung reichen.

Die neuen Ergebnisse legen nun nahe, dass solche Modifikationen entgegen bisheriger Annahmen von Generation zu Generation weitergegeben werden können, so die Forscher. Sollte sich diese Annahme bestätigen, hätten epigenetische Faktoren einen weit größeren Einfluss auf die öffentliche Gesundheit als bislang vermutet. Möglicherweise könne sogar die extreme Zunahme an Übergewichtigen und Diabetesfällen darauf zurückgeführt werden, kommentiert der Epigenetiker Rob Waterland die Ergebnisse.
New Scientist, 7. Januar, S. 10

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel


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