Artenreichtum im sauren Milieu

Im menschlichen Magen geht es lebendiger zu als bisher gedacht: In dem extrem sauren Milieu können nicht nur die für Magengeschwüre mitverantwortlichen Helicobacter-Bakterien überleben, sondern mehr als 120 weitere. Das haben Wissenschaftler um Elisabeth Bik von der Universität in Stanford herausgefunden. Viele der entdeckten Mikroorganismen unterschieden sich deutlich von Bakterien, wie sie beispielsweise Mund oder der Speiseröhre vorkommen und ähnelten teilweise den Bakterien in heißen Quellen und anderen Lebensräumen mit extremen Umweltbedingungen.
Lange Zeit galt der menschliche Magen als nahezu bakterienfreie Zone. Wegen des niedrigen pH-Werts der Magensäure können dort Mikroorganismen nicht gedeihen, hieß es. Diese Ansicht musste vor etwa zwanzig Jahren mit der Entdeckung von Helicobacter pylori in der Magenschleimhaut revidiert werden. Das Bakterium kann sich mit einem basischen Schutzschild vor der Magensäure schützen und so in die Magenschleimhaut eindringen, wo der pH-Wert höher ist.

Nun entdeckten Bik und ihre Kollegen, dass noch zahlreiche weitere Bakterien die durch die extremen Bedingungen im Magen geschaffene ökologische Nische besiedeln. Die Forscher nahmen Proben aus der Magenschleimhaut von 23 Freiwilligen und konnten neben Helicobacter pylori insgesamt 128 verschiedene Arten von Bakterien identifizieren.

Zehn Prozent davon unterschieden sich genetisch deutlich von allen bisher bekannten Bakterien. Eine dieser Mikroorganismen war verwandt mit Bakterien der Gattung Deinococcus ? Lebensformen, die nicht nur in heißen Quellen überleben können, sondern auch hohen Dosen radioaktiver Strahlung standhalten können. Dass diese auch im Menschen vorkommen, war bisher nicht bekannt. Weitere Studien sollen die die Zusammensetzung dieser Magenflora und deren Bedeutung für die Gesundheit näher untersuchen.

Elisabeth Bik (Stanford University) et al.: PNAS (Online-Vorabveröffentlichung, doi 10.1073/pnas.0506655103).

ddp/wissenschaft.de ? Ulrich Dewald
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