Dodo: Von wegen dumm

Rekonstruktion eines Dodos. © AMNH/C. Chesek

Dodo – schon der Name hört sich nicht gerade clever an: Der ausgestorbene Vogel der Insel Mauritius gilt geradezu als ein Symbol für Dummheit. Doch war der Dodo denn tatsächlich ein gefiederter Schwachkopf? Die Rekonstruktion seines Gehirns widerspricht nun diesem Klischee: Es war im Vergleich zu den Gehirnen anderer Vögel ähnlich gut entwickelt und besaß außerdem eine interessante Besonderheit: Ein hochentwickeltes Riechzentrum. Darin spiegelte sich wohl die spezielle Ernährungsweise des flugunfähigen Vogels wider, sagen die Forscher.

Den Ruf eines dummen Vogels hat der Dodo vor allem seinen Auftritten in Alice im Wunderland und dem Animationsfilm Ice Age zu verdanken. Darüber hinaus sind wahrscheinlich einige seiner Merkmale und seine tragische Geschichte für dieses Etikett verantwortlich. Seine Vorfahren, die zur Gruppe der Tauben gehörten, mutierten auf Mauritius zu wahrhaft komischen Vögeln: Ein plumper, dicker Körper und lächerlich wirkende Mini-Flügel zeichneten den Dodo aus. In seiner isolierten Inselheimat musste der bodenlebende Vogel allerdings auch nicht flink und leistungsstark sein – auf Mauritius  hatte er zunächst keine Fressfeinde.

"Dumme" Zutraulichkeit wurde dem Dodo zum Verhängnis

Das änderte sich mit der Ankunft der Portugiesen im Jahr 1505. Für sie waren die Vögel, die kein Fluchtverhalten zeigten, einfache Beute: "Sie wurden massenweise als Proviant auf die Schiffe getrieben", sagt Eugenia Gold von der Stony Brook University (USA). Sogar der Name Dodo könnte mit dieser scheinbar "dummen" Zutraulichkeit der Tiere zusammenhängen: Er scheint von der portugiesischen Bezeichnung für Narr zu stammen. Die Dodos endeten allerdings nicht nur als Braten – den Rest gaben ihnen die eingeschleppten Ratten und Schweine, die sich über ihre Nester hermachten. Im Jahr 1690 berichtete schließlich der Engländer Benjamin Harry zum letzten Mal von einem Dodo auf Mauritius.

Den berühmten Vögeln haben Gold und ihre Kollegen nun eine Untersuchung gewidmet, die gezielt auf das Organ blickte, das angeblich so simpel gewesen sein soll: das Gehirn. Um dessen Strukturen nachzuforschen, unterzogen die Wissenschaftler einen Dodo-Schädel aus dem Natural History Museum in London computertomographischen Analysen. Die dreidimensionalen Aufnahmen der Schädelinnenseite ließen Rückschlüsse auf die einstige Struktur des Gehirns der Vögel zu. Somit waren Vergleiche mit anderen Vogelarten möglich.

Wahrscheinlich ähnlich intelligent wie Tauben

Den Forschern zufolge war das Gehirn der Dodos weder besonders klein noch simpel strukturiert. Im Verhältnis zur Körpergröße entsprachen seine Merkmale denen von Tauben, berichten Gold und ihre Kollegen. "Wenn man die Größe des Gehirns als Anhaltspunkt für Intelligenz ansieht, waren Dodos wahrscheinlich ähnlich leistungsfähig wie Tauben", sagt Gold. Die kognitiven Fähigkeiten von Vögeln sollten dabei generell nicht unterschätzt werden: Auch Tauben sind für beachtliche Hirnleistungen bekannt.

Die Forscher berichten darüber hinaus von einer interessanten Besonderheit des Gehirns der Dodos: In den Strukturen zeichnet sich ab, dass die Tiere ein vergleichsweise kleines Sehzentrum besaßen, dafür waren aber Hirnbereiche besonders ausgeprägt entwicklet, die für den Riechsinn zuständig sind. Den Forschern zufolge spiegelt sich darin die Lebensweise des Dodos wider: Sie ernährten sich von herabgefallen Früchten, die sie wahrscheinlich durch ihren hochentwickelten Geruchssinn besonders gut orten konnten.

Unterm Strich zeichnet sich damit das Fazit ab: Zumindest was den Entwicklungsgrad des Gehirns betrifft, scheinen die Dodos nicht weniger im Kopf gehabt zu haben als andere Vögel. Vom Ruf der Vögel bleiben demnach nur die traurigen Aspekte übrig: Sie haben ihn dem dumm erscheinenden Aussehen zu verdanken sowie ihrem naiv-zutraulichen Verhalten, das ihnen schließlich zum Verhängnis wurde.

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