Geheimnissen der ersten Australier auf der Spur

Die Aborigines sind stolz auf ihre tief verwurzelte Geschichte. (Foto: urosr/iStock)

Sie erreichten vor etwa 50.000 Jahren Australien - doch blieben die Vorfahren der Aborigines danach tatsächlich völlig isoliert? Eine Studie ist nun der Frage nachgegangen, ob sich nicht doch Zuwanderer in ihrem Erbgut verewigt haben. Die spätere Ankunft der verwilderten Haushunde - der Dingos - ließ dies vermuten. Die Forscher fanden allerdings keinerlei Hinweise auf eine Vermischung mit anderen Menschengruppen. Wie die Dingos nach Australien kamen und warum sich offenbar keine anderen Menschen mehr hier angesiedelt haben, bleibt damit weiterhin eine spannende Forschungsfrage.

Dem aktuellen Forschungsstand zufolge gehörten die Vorfahren der Aborigines zu den frühesten Pionieren des modernen Menschen: Sie entstammten der ersten Auswanderungswelle des Homo sapiens aus Afrika. Als diese Menschen vor etwa 50.000 Jahren den Süden der Erde erreichten, stießen sie hier noch auf eine völlig andere Geographie als heute: Durch den niedrigen Meeresspiegel gab es Landbrücken, über die sie sowohl Neuguinea als auch Australien erreichen konnten. Später kappte das steigende Wasser diese Verbindungen und so blieben die Menschen in Australien von den weiteren Ausbreitungswellen des modernen Menschen abgeschnitten.

Brachten indische Bevölkerungsgruppen den Dingo?

Es gab allerdings Vermutungen, dass vor etwa 5.000 Jahren Menschen mit indischen Wurzeln Australien erreicht haben könnten. Dafür sprechen mehrere Hinweise: Funden zufolge änderte sich in dieser Zeit die Steinwerkzeug-Technik der Aborigines und ein tierisches Mitbringsel tauchte erstmals in Australien auf: der Dingo. Außerdem hatten frühere genetische Studien Hinweise geliefert, dass es im Erbgut der Aborigines Spuren von Menschen indischen Ursprungs geben könnte. Diesem Verdacht sind die Forscher um Anders Bergstrom Wellcome Trust Sanger Institute in Hinxton (UK) Anders Bergstrom nun durch eine deutlich genauere Untersuchung nachgegangen. Sie sequenzierten dazu das Erbgut des Y-Chromosoms von13 Männern aus reiner Aborigines-Abstammung und verglichen die Ergebnisse mit genomischen Daten anderer Bevölkerungsgruppen der Erde.

Keine genetischen Spuren fremder Völker

Die Analysen ergaben: Das Y-Chromosom der Aborigines unterscheidet sich von anderen deutlich und hat insbesondere keine Ähnlichkeiten mit indischen Varianten, die eine Vermutung einer Vermischung beider Bevölkerungsgruppen rechtfertigen könnten. Stattdessen spiegeln sich den Forschern zufolge in den Merkmalen des Erbgutträgers die uralten Wurzeln der Aborigines wider: "Die Ergebnisse sind im Einklang mit den archäologischen Befunden zum Zeitfenster, in dem die Menschen diesen Teil der Erde erstmals erreichten", sagt Bergstrom.

 

Offenbar sind auch die Aborigines selbst an der Erforschung ihrer Wurzeln interessiert, wie die Forscher berichten: "Sie interessieren sich sehr für ihre Herkunft und ohne ihre Unterstützung wäre diese Studie auch nicht möglich gewesen", sagt Co-Autor John Mitchell von der La Trobe University in Melbourne. "Bevor wir unsere Studie veröffentlicht haben, präsentierten wir zuerst ihnen die Ergebnisse". Lesley Williams, der für die Verbindung mit den Aborigines-Gruppen verantwortlich war, sagt dazu: "Als Aborigine und Kulturberater für dieses Projekt freue ich mich, dass die Wissenschaft bestätigt, was unsere Vorfahren uns über viele Generationen hinweg gelehrt haben: dass wir seit der Traumzeit hier gelebt haben."

Die frühe Geschichte Australiens bleibt rätselhaft

Um allerdings wirklich sicher zu sein, dass es niemals externe genetische Einflüsse auf die Urbevölkerung Australiens gegeben hat, sollte nun das gesamte Genom der Aborigines sequenziert werden, sagen die Forscher. Bestätigen sich die Ergebnisse, steht dann weiterhin die Frage im Raum, welche Menschen den Dingo nach Australien gebracht haben könnten und warum sie in diesem Zusammenhang offenbar keine genetischen Spuren hinterlassen haben. Ebenso bleibt eine offene Frage, warum das Seefahrervolk der Polynesier zwar Neuseeland besiedelt hat, aber anscheinend niemals auf Australien Fuß gefasst hat. Die frühe Geschichte Australiens bleibt demnach also auch weiterhin ein spannendes Forschungsfeld.

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