Das Erdmagnetfeld zuckt

Der magnetische Nordpol verschiebt sich derzeit mit einer atemberaubenden Geschwindigkeit von 40 Kilometern pro Jahr. Da die Stärke des Erdmagnetfeldes gleichzeitig stetig abnimmt, hatten viele Forscher spekuliert, dass eine Umpolung des Feldes bevorsteht. Jetzt gibt Joseph Stoner von der Oregon State University Entwarnung: Dass das Erdmagnetfeld unter ruckartigen Zuckungen leidet, ist ganz normal, berichtete der Forscher vergangene Woche auf der Tagung der American Geophysical Union in San Francisco.
Als magnetischer Nordpol wird der Punkt bezeichnet, an der die Linien des Magnetfeldes senkrecht auf den Erdboden treffen. Im Gegensatz zum geografischen Nordpol befindet sich der magnetische Nordpol ständig auf Wanderschaft. Als er 1838 entdeckt wurde, lag er auf der kanadischen Halbinsel Boothia. Allein im vergangenen Jahrhundert wanderte er 1100 Kilometer durch die kanadische Arktis in Richtung Sibirien. Die Geschwindigkeit der Wanderschaft hat sich in den letzten Jahrzehnten deutlich beschleunigt.

Ähnliche Ereignisse hat es in den vergangenen 2000 Jahren aber schon mehrfach gegeben, berichtete Stoner in San Francisco. "Die Bewegung könnte Teil einer normalen Oszillation sein. Am Ende wird sich der Pol wieder von Sibirien nach Kanada zurückbewegen", sagte der Forscher. Stoner und seine Kollegen untersuchten Ablagerungen mehrerer arktischer Seen, die Eisenmineralien enthalten und daher Informationen über das Erdmagnetfeld archiviert haben. Historische Aufzeichnungen reichen nur etwa 400 Jahre zurück.

Stoner berichtete, dass der magnetische Nordpol sich etwa alle 500 Jahre innerhalb eines einzigen Jahrhunderts um mehrere tausend Kilometer verlagert. In den letzten 2000 Jahren traten drei solche Sprünge auf, die gleichzeitig mit kürzlich entdeckten plötzlichen Veränderungen des gesamten Erdmagnetfeldes geschahen. "Geomagnetische Veränderungen können sehr viel abrupter ablaufen als wir dachten", resümierte Stoner.

Umkehrungen des gesamten Feldes sind hingegen sehr viel seltener: Zum letzten Mal tauschten magnetischer Nord- und Südpol vor 780.000 Jahren die Lage.
Ute Kehse


Reload-Capcha neu laden Text der identifiziert werden soll

Bitte geben Sie zusätzlich noch den Sicherheitscode ein!

Rubriken

 


Harte Nuss
Rätsel: Berühmte Entdecker gesucht

 

Der Buchtipp

Henning Beck hat eine lange Liste von Fehlern und Schwächen unseres Gehirns zusammengetragen. Dennoch verteidigt der Neurowissenschaftler unser Denkorgan: Gerade wegen seiner Fehler sei es flexibel und kreativ und jedem Computer überlegen.

Zu allen Buchtipps


Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der Konradin Mediengruppe