Kosmische Geburtswehen im Miniformat

Das kleinste bisher bekannte Sonnensystem erblickt möglicherweise gerade das Licht des Universums: Ein Team amerikanischer Wissenschaftler hat in einer Entfernung von 500 Lichtjahren einen bisher unbekannten Braunen Zwerg entdeckt, der von einer scheibenförmigen Staub- und Gaswolke umhüllt wird. Durch das Zusammenballen von Materie könnten sich aus dieser Wolke mit der Zeit Planeten entwickeln, sagen die Forscher. Damit entstünde ein winziges Sonnensystem um einen Himmelskörper, der kleiner als ein Stern, aber größer als ein Planet ist.
Wie Sterne entstehen auch Braune Zwerge durch Kondensation aus dicken Gas- und Staubwolken. Aus einer solchen Materieansammlung bildete sich vor knapp fünf Milliarden Jahren auch unser Sonnensystem. Im Unterschied zu Sternen ist die Masse von Braunen Zwergen aber zu gering, um in ihrem Inneren Kernfusionsprozesse in Gang zu halten. Daher scheinen sie nicht, sondern sind verhältnismäßig kühl und nur bei energiearmen Wellenlängen wie Infrarotlicht sichtbar.

Wissenschaftler hatten bereits in der Vergangenheit mehrere Braune Zwerge mit einer Gas- und Staubwolke gefunden, von denen einige die Anfangsstadien im Prozess der Planetenbildung zeigen. Das nun im Sternbild Chamäleon entdeckte Exemplar namens Cha 110913-773444 ist aber das bisher kleinste: Seine Masse beträgt weniger als ein Hundertstel der Masse unserer Sonne. Außerdem ist der Neuzugang mit etwa zwei Millionen Jahren relativ jung. Zu seiner Entdeckung geführt hatten die Aufnahmen von zwei Bodenteleskopen in den Chilenischen Anden sowie von zwei Weltraumteleskopen, darunter dem Hubble-Weltraumteleskop.
Kevin Luhmann ( Penn State University) et al.: Astrophysical Journal Letters (10. Dezember)

ddp/wissenschaft.de ? Martina Feichter


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