Mit vorgetäuschtem Exitus auf Partnersuche

Männliche Raubspinnen vermeiden es mit einer cleveren Strategie, schon vor der Paarung von ihrer Partnerin gefressen zu werden: Sie bieten der Auserwählten ein nahrhaftes Hochzeitsgeschenk an ? und stellen sich tot, sobald das Weibchen auf sie aufmerksam wird. Erst, wenn es sich am mitgebrachten Geschenk gütlich tut, erwachen die Männchen wieder zum Leben und beginnen vorsichtig mit der Paarung. Mit dieser Taktik, die dänische Forscher an gefangenen Listspinnen beobachtet haben, kommen die Tiere sehr viel häufiger zum Zug als ihre Artgenossen, die auf den vorgetäuschten Tod verzichten.
Schon bevor sich männliche Raubspinnen (Pisaura mirabilis) einer potenziellen Partnerin nähern, bereiten sie sich sorgfältig vor: Sie wickeln ein Beutetier in Seide ein und halten diese Gabe so in ihren Kieferklauen fest, dass sie selbst zum großen Teil davon verdeckt werden. Manchmal reichen diese Maßnahmen bereits aus, und die Weibchen interessieren sich ausschließlich für das Mitbringsel. Doch einige Weibchen ignorieren das Geschenk und attackieren das herannahende Männchen.

Genau in diesem Moment fallen die Männchen scheinbar tot um, beobachteten die Forscher: Sie kollabieren und verharren dann bewegungslos in einer ausgestreckten Position, ohne jedoch das mitgebrachte Beutestück loszulassen. Dadurch spüren sie, wenn das Weibchen mit dem Verzehr der Beute beginnt, und bewegen sich vorsichtig unter die Partnerin, um sie zu begatten. Offenbar ist diese Strategie sehr erfolgreich, konnten die Forscher zeigen. So gelang allen Männchen, die ihren Tod vortäuschten, die Kopulation mit ihrer Partnerin, wohingegen lediglich 58 Prozent der Spinnenmännchen ohne diese Taktik Erfolg hatten.

Die Weibchen haben möglicherweise die Aggressivität, die ihnen beim Beutefang nützlich ist, im Lauf der Evolution auch auf ihr Paarungsverhalten übertragen, spekulieren die Forscher. Den vorgetäuschten Tod und die ungewöhnliche Präsentation der Geschenke mussten die Männchen demnach vermutlich als Gegenstrategie entwickeln, um sich erfolgreich fortpflanzen zu können. Diese List ist jedoch nicht ganz ungefährlich, denn die starre Haltung macht die Männchen verwundbar. Aus diesem Grund greifen auch nur etwa ein Drittel der Männchen zu dieser Taktik.
Trine Bilde ( Universität von Aarhus) et al.: Proceedings of the Royal Society: Biology Letters (Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1098/rsbl.2005.0392)

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel


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