Schwarzes Loch in blauer Nachbarschaft

Im Zentrum der Andromeda-Galaxie umkreist eine Gruppe von etwa 400 jungen, blau leuchtenden Sternen ein gigantisches Schwarzes Loch. Das schließt ein internationales Astronomenteam aus Messungen des Hubble-Weltraumteleskops. Damit gelang es den Forschern einerseits, die Existenz eines supermassiven Schwarzen Lochs in unserer Nachbargalaxie nachzuweisen und andererseits, die Quelle des mysteriösen blauen Lichts zu identifizieren, das Wissenschaftlern seit seiner ersten Sichtung vor zehn Jahren Rätsel aufgegeben hat. Gleichzeitig wirft die neue Entdeckung jedoch die Frage auf, wie sich so dicht an einem derartig massiven Schwarzen Loch so viele Sterne bilden konnten, berichtet das Hubble-Informationszentrum der ESA.
Die jungen, heißen Sterne entstanden nach den Hubble-Messungen vor etwa 200 Millionen Jahren und umkreisen das Schwarze Loch in einer dichten Scheibe, die lediglich einen Durchmesser von einem Lichtjahr besitzt. Umgeben ist diese Sternenscheibe von einem elliptischen Ring aus älteren, kühleren Sternen, die bereits auf früheren Hubble-Aufnahmen entdeckt worden waren. Die jungen Sterne bewegen sich extrem schnell, berechneten die Forscher: Mit 3,6 Millionen Kilometern pro Stunde oder 1.000 Kilometern pro Sekunde könnten sie in nur etwa 40 Sekunden die gesamte Erde umrunden. Trotzdem benötigen selbst die schnellsten von ihnen ungefähr 100 Jahre, um das Schwarze Loch im Andromeda-Zentrum zu umkreisen.

Der detaillierte Blick in die Nachbargalaxie der Milchstraße lieferte nach Angaben der Forscher erstmals auch direkte Beweise dafür, dass es sich bei dem dunklen Objekt im Galaxienzentrum tatsächlich um ein supermassives Schwarzes Loch handelt. Bislang hatten Wissenschaftler auch andere Erklärungen, wie beispielsweise dunkle Cluster toter Sterne, nicht zweifelsfrei ausschließen können. Den Astronomen gelang es sogar, die ungefähre Größe des galaktischen Monsters zu berechnen: Mit 140 Millionen Sonnenmassen ist es etwa dreimal so groß wie bislang angenommen.

Genau diese Entdeckung mache es jedoch umso schwerer zu erklären, wie die jungen Sterne in unmittelbarer Nähe des Schwarzen Loches entstanden sein können, kommentiert Studienleiter Ralf Bender vom Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching. Das Material, aus dem sich solche Sterne bilden, müsste sich aufgrund der immensen Gravitation des Schwarzen Lochs so schnell um das Galaxienzentrum drehen, dass eine Sternenformation praktisch unmöglich erscheine. Trotz dieser ungeklärten Fragen glauben die Wissenschaftler, eine solche Struktur innerhalb der Galaxienzentren könnte möglicherweise nicht die Ausnahme, sondern die Regel sein: "In der Milchstraße gibt es offenbar noch jüngere Sterne in der Nähe des Schwarzen Lochs. Und es erscheint doch sehr unwahrscheinlich, dass nur die nächsten beiden großen Galaxien so merkwürdige Aktivitäten zeigen", erklärt Co-Autor Tod Lauer.
Pressemitteilung der ESA

ddp/wissenschaft.de ? Ilka Lehnen-Beyel


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